ARCH+ 240


Erschienen in ARCH+ 240,
Seite(n) 164-175

ARCH+ 240

"Die Dynamik der zwanghaften Erneuerung durchbrechen"

Von Muoto /  Kempe, André

André Kempe: Wo habt Ihr studiert und wie hat Euch die Ausbildung geprägt?

Yves Moreau: Ich habe 1994 an der Katholischen Universität Leuven in Belgien das Architekturstudium begonnen und bin kurz darauf an die Kunsthochschule Esa Saint-Luc in Brüssel gewechselt. Der Unterricht dort war sehr verschult. Für mein Erasmusjahr ging ich 1998 nach Schweden, an die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg. Dort genießt man als Architekturstudent große Freiheiten, wir konnten experimentieren und offen arbeiten. Aufgrund dieser anregenden Erfahrung beschloss ich, dort meinen Abschluss zu machen.

Danach arbeitete ich eineinhalb Jahre für das Büro meines ehemaligen Professors sowohl in Schweden als auch in Norwegen. Bei meiner Rückkehr aus Skandinavien 2001 musste ich mich entscheiden, ob ich nach Brüssel oder Paris gehe. Ich bewarb mich bei Dominique Perrault in Paris: An einem Freitagabend war das Vorstellungsgespräch, am darauffolgenden Montagmorgen fing ich dort an. Und blieb bis 2006.

Gilles Delalex: Ich habe auch kurz bei Dominique Perrault gearbeitet, wo Yves und ich uns kennengelernt haben. Studiert habe ich zunächst in Grenoble und Montreal, danach absolvierte ich einen europäischen Masterstudiengang in Brüssel, Tilburg, Manchester und Helsinki. An der University of Art and Design Helsinki habe ich meine Dissertation über Architektur in der Netzwerkgesellschaft geschrieben, die ich 2006 unter dem Titel Go with the Flow – Architecture, Infrastructure and the Everyday Experience of Mobility veröffentlichte.

Im Anschluss daran begann ich an der École nationale des Ponts et Chaussées, die heute zum Zusammenschluss ParisTech gehört, im Masterstudiengang Städtebau zu unterrichten. Mit dem Job konnte ich in Paris über die Runden kommen, was nicht selbstverständlich ist. Denn ist man erst einmal promoviert, findet man kaum noch Jobs. Unser gemeinsames Büro entstand eher beiläufig, nachdem wir 2003 den Europan-Wettbewerb für eine städtebauliche Studie in Villeurbanne, einer Gemeinde in der Nähe von Lyon gewonnen hatten. Das war unser erstes Projekt.

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