ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 94-99

ARCH+ 238

Glasgow Atlas

Von Studio Tom Emerson

Der Glasgow Atlas ist das Ergebnis einer kollektiven Untersuchung, die das Studio Tom Emerson 2014 gemeinsam mit einer Gruppe Studierender der ETH Zürich durchgeführt hat. Das Buch ist eine Sammlung von Bildern und Zeichnungen, die die Zyklen städtischen Wachstums und Niedergangs von Glasgow in ihrem derzeitigen Gleich­gewichtszustand darstellen.

Wir betrachteten die Stadt, ihr Territorium, die Landschaft, die Lebensräume, die Architektur und die Infrastruktur wie eine Art zweite Natur. Anhand der Betrachtung des Vorhandenen suchten wir nach latenten Zukunftsoptionen, die möglicherweise unsichtbar in die Stadt eingeschrieben sind.

Einst profitierte Glasgow davon, dass Handelsschiffe dank der starken atlantischen Winde den Hafen der Stadt schneller erreichten als die Häfen anderer britischer Städte. Durch den florierenden Handel und die nahe gelegene Bergbauindustrie wurde die Stadt zu einem der Epizentren der Industriellen Revolution. In der einstigen „Werkbank der Welt“ wurde so viel erfunden und produziert wie in kaum einer anderen Stadt. Heutzutage stehen jedoch auch die letzten Überreste dieser industriellen Strukturen vor dem Aus. Die Folgen sind massiver Leerstand und fundamental veränderte räumliche Rahmenbedingungen. Mit dem Glasgow Atlas wollten wir zeigen, dass die vielen, sich überlagernden Schichten des städtischen und industriellen Raums große Potentiale für eine Neuerfindung der Stadt bergen.

Das Projekt ist Teil einer von uns initiierten Reihe von Atlanten, in deren Mittelpunkt postindustrielle Städte Europas stehen, die in ähnlicher Weise wie Glasgow vom Wandel der Arbeitswelt betroffen sind. ­Unsere Methode haben wir 2012 im Rahmen einer Studie über die an der deutsch-­polnischen Grenze gelegene Stadt Forst entwickelt. Forst, früher ein wichtiger Standort der Textilindustrie in Deutschland, ist eine schrumpfende Stadt, die von den Auswirkungen der Globalisierung tief erschüttert ist. Wir verstehen die Form des Atlas als eine kollektive Arbeit der grafischen Dokumentation – eine von uns frei gewählte Zusammenstellung individueller Orte und Themen, die sich zu einem Bild der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft der Stadt verdichtet.

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