ARCH+ 237


Erschienen in ARCH+ 237,
Seite(n) 140-155

ARCH+ 237

Architektur als Argument

Von Brandlhuber, Arno /  Grawert, Olaf /  Kuhnert, Nikolaus

1996 gründeten Arno Brandlhuber und Bernd Kniess das Büro b&k+ in Köln. Zwei Jahre später wurden sie von der Firma Bosch mit einem Messestand für die Expo 2000 in Hannover beauftragt. Die daraus hervorgegangene Telematische Landschaft wurde zwar nie realisiert, doch das Büro führte sie als freies Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit Künstler*innen, Theoretiker-*innen, Wissenschaftler-*innen und Musiker*innen fort. In diesem Zusammenhang wandten sich Arno Brandlhuber und Bernd Kniess auch an die ARCH+. Sie besuchten uns in Berlin und wir diskutierten, wie man das Projekt organisieren könnte. So lernten wir uns kennen. Der Kontakt wurde noch intensiver, als sich das gemeinsame Büro aufgelöst hatte und Arno Brandlhuber seit 2006 Brandlhuber+ in Berlin neu aufbaute.

b&k+ und später Brandlhuber+ stehen in der Tradition einer „diskursiven architektonischen Praxis“. Dieser Ansatz geht auf die Architekturlehre von Oswald Mathias Ungers im Berlin der 1960er-Jahre zurück, die sich in der Zusammenarbeit zwischen Ungers und Rem Koolhaas in den 1970er-Jahren vertiefte und zum Doppelkonzept von OMA und AMO in den 2000er-Jahren führte. In dieser Linie bewegt sich Brandlhuber+ mit der These, dass Architektur ein Argument kommunizieren müsse. Zur Begründung bezieht sich Brandlhuber auf den Begriff der Bindung, den Ungers bei seinen Semesteraufgaben verwandte. Aber der Architekt definiert ihn neu, und zwar sieht er in ihm „eine Bezeichnung sozialer Beziehungen“, die gleich-zeitig, so wörtlich, „ein Verhältnis zur Stadt beschreibt, welches nicht mehr dem Gestus der Tabula rasa der Moderne huldigt“. Wenn er vom Argument spricht, meint er, dass Architektur eine Vorstellung „über das Funktionieren in der Stadt und ihren Umgang mit sozialen Fragen“ haben muss.

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