ARCH+ 237


Erschienen in ARCH+ 237,
Seite(n) 64-69

ARCH+ 237

Otl Aicher: Philosophie des Machens

Von Kuhnert, Nikolaus

Anfang der 1980er-Jahre setzte die kritisch-historische Auseinandersetzung mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm ein. Eine Reihe von Ausstellungen und Symposien beschäftigten sich mit ihrem Wirken. An eine Ausstellung sei in diesem Zusammenhang erinnert, durch deren Katalog ich auf die HfG aufmerksam wurde: Die Moral der Gegenstände – Hochschule für Gestaltung Ulm (herausgegeben von Herbert Lindinger, unter der konzeptionellen Mitarbeit von Egon Chemaitis, Michael Erlhoff, Sibille Riemann und Helmut Staubach).

Durch diesen Katalog bin ich auch auf Otl Aicher gestoßen und habe mich, selbst damals noch in Aachen, bei ihm gemeldet und um ein Gespräch nachgesucht. Auf der Grundlage seines Katalogbeitrags „Bauhaus und Ulm“ wollte ich von ihm eine kritische Einordnung der HfG in die Geschichte ihres Vorläufers, des Bauhauses, und dessen Nachfolgeinstitutionen in den USA, wie IIT in Chicago und Black Mountain College, einholen. Dieses Ansinnen hat er kategorisch abgelehnt mit der Bemerkung: „Herr Kuhnert, ich bin Typograf und kein Schwätzer.“

Ich habe den Plan eines Interviews daraufhin aufgegeben, mich aber später an ihn erinnert, als ich Teil der Vorbereitungsgruppe des Projektes „Berlinmodell Industriekultur“ war. Aus der Zusammenarbeit mit Aicher zum Berlin-modell ergab sich, dass ich Aicher nicht nur anhand seiner Arbeiten aus den 50er- und 60er-Jahren einschätzen lernte – Ulm mit der Hochschule für Gestaltung, München mit dem Büro für visuelle Kommunikation und den Arbeiten für die Olympische Spiele, ZDF, BRAUN et cetera. –, sondern auch anhand der Arbeiten nach dem Neuaufbau eines Lebens- und Arbeitszusammenhangs in Rotis im Allgäu, wohin er sich zurückgezogen hatte.

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