ARCH+ 219


Erschienen in ARCH+ 219,
Seite(n) 237

ARCH+ 219

Der Berliner Schlüssel

Von Redeker, Stephan

Auf der Ebene der Bilder hingegen findet sich die Handschrift von Miroslav Šik und der Analogen Architektur der späten 1980er Jahre, die sich, einem Realismus à la Aldo Rossi verpflichtet, durch großformatige Kreidezeichnungen der Stimmung trister urbaner Situationen anzunähern versuchten, um aus dem Kontext heraus bildstarke Architekturen zu generieren – auch wenn die Stifte heute durch den Computer ersetzt wurden. Eklektizismus bestimmt somit nicht nur thematisch den Umgang mit der Peripherie, sondern zeichnet auch die Publikation als Ganze aus, wie man exemplarisch am Begriff des „ReMix“ festmachen kann, der, aus dem Bereich der Musik entliehen, auf eine Übermacht des Bestehenden verweist, eine „Reality-Shortage“, wie Koolhaas es genannt hat. So verschiebt der Remix den kreativen Akt vom Erfinden hin zu Selektion, Rekombination und Neuinterpretation des vorhandenen Materials. Mit dem Abecedarium legen die beiden Herausgeber also weder ein Handbuch (trotz des lexikalischen Ansatzes) noch eine kritische Anamnese zivilisatorischer Wirklichkeiten in den städtisch-landschaftlichen Räumen unserer Zeit vor, sondern laden ein zu einer anregenden Reise in die unbekannt-bekannte Vorstadt. Sie fordern auf zu einer Schule des Anders-Sehens der Bilder und GenauLesens der Struktur, um sie mit kreativen Missverständnissen und kühnen Interpretationen aufzuladen – an deren Ende weniger ein „neuer Realismus“ als vielmehr ein „neuer Surrealismus“ stehen könnte. Richtung zu lenken. Dies aber tut der Berliner Schlüssel ausschließlich durch seine Form. ...

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