ARCH+ 218


Erschienen in ARCH+ 218,
Seite(n) 6-7

ARCH+ 218

Digitalization Takes Command – Andreas Dornbracht über das neue digitale Regime im Bad

Von Ngo, Anh-Linh /  Dornbracht, Andreas

Sigfried Giedion hat in seiner wegweisenden Studie "Mechanization Takes Command" (Die Herrschaft der Mechanisierung) der Entwicklung des Bades breiten Raum eingeräumt. Er unterscheidet zwischen zwei Typen des Bades, das entweder der Abwaschung oder der körperlichen und seelischen Regeneration dient. Ihm zufolge sei das Abwaschungsbad eine Privatangelegenheit, während das Regenerationsbad der gesellschaftlichen Sphäre angehöre. Mit dieser Gegenüberstellung verbindet Giedion eine soziale Frage: Ist die stetige Wiederherstellung des körperlichen Gleichgewichts eine Pflicht der Gesellschaft oder eine private Angelegenheit? Das Verhältnis zwischen modernem Individuum und Gesellschaft ist jedoch komplexer. Zwar konstituiert sich der Einzelne unter den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen er lebt. Er wird jedoch nicht nur passiv von diesen geprägt, sondern betreibt auch aktiv seine Subjektwerdung. Diese Ambivalenz hat der französische Soziologe Michel Foucault mit dem Konzept der "Technologien des Selbst" zu fassen versucht. Es handelt sich dabei um Praktiken und Strategien der Lebensgestaltung, die das Subjekt auf sich selbst anwendet, um seinen Körper, seine Seele und seine Lebensführung zu modifizieren und zu optimieren. Der Armaturenhersteller Dornbracht hat seit geraumer Zeit diese körperlichen und psychischen Operationen als Rituale des Alltags untersucht, um Rückschlüsse auf die Badarchitektur ziehen zu können. Aus dieser Perspektive verwandelt sich das Badezimmer in einen exemplarischen Ort der Selbstsorge und Selbstmodellierung…

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