ARCH+ 206/207

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Erschienen in ARCH+ 206/207,
Seite(n) 50-51

ARCH+ 206/207

STADTHYGIENE

Von ARCH+

 

Die großen Cholera-Epidemien, die seit 1829 auch Europa heimsuchten, forderten viele Opfer. Die gängige Theorie dieser Zeit machte sogenannte Miasmen (schlechte Dünste) dafür verantwortlich. Man erkannte nicht den Zusammenhang zwischen der epidemischen Verbreitung der Krankheit und dem, wegen der zahlreichen Sickergruben im Stadtgebiet mit Krankheitserregern verseuchtem Grundwasser. Erst der englische Arzt John Snow (1813-1858) fand durch akribische empirische Beobachtung und Kartierung der Krankheitsfälle heraus, wie die Cholera verbreitet wurde: Die Londoner Epidemie von 1854 mit 14.000 Toten flammte erst richtig auf, nachdem die offenen, stinkenden Abwasserkanäle in die Themse gespült worden waren. In Soho kam es zu einer Trinkwasser-Vergiftung. John Snow konnte nachweisen, dass sich die Todesfälle im Bereich einer Wasserpumpe in der Broad Street konzentrierten. Nachdem er die Pumpe außer Betrieb setzte, indem er deren Schwengel entfernte, kam es zum Stillstand der Epidemie.

Seine Theorie der Verbreitung der Krankheit durch Mikroorganismen bildete ein wichtige Voraussetzung für die Forschung von Robert Koch, wurde jedoch zu seinen Lebzeiten von den Ärzten und Wissenschaftlern nicht anerkannt. Seine Kartierung der Krankheitsfälle gilt über die Epidemiologie hinaus als eine der ersten räumlichen Informationsgrafiken.

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