ARCH+ 169/170


Erschienen in ARCH+ 169/170,
Seite(n) 50-53

ARCH+ 169/170

Prora Polyphon

Von Steidle, Otto /  Strecker, Bernhard

Prora Polyphon ist eines der letzten Projekte, das der verstorbene Architekt Otto Steidle in Zusammenarbeit mit Bernhard Strecker und der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz entwickelt hat, um dem buchstäblich ungeheuren Raumund Zeitvolumen des Kraft-durch- Freude-Gebirges auf Rügen eine “individualistische Transformation” abzuringen, einen demokratischen Riegel vor und mit der Geschichte, bevor es zu der von ihnen befürchteten “Banalisierung und Trivialisierung” Proras kommt. Weitgehend unbeachtet vom öffentlichen und parlamentarischen Interesse betreibt das klamme Finanzministerium nämlich den portionsweisen Ausverkauf des Geländes, an dessen Ende eine Bimmelbahn zur lustigen Fahrt einladen könnte, da einer der bisherigen Investoren das dortige Eisenbahnmuseum betreibt. Steidle und Strecker, durchaus angesteckt von der intellektuellen Verführungskraft des Objektes – “die Spuren der Macht” habe bislang jeden ernsthaften Versuch seiner Umnutzung weitgehend ins Leere laufen lassen – wollen dem Symbol des Tyrannen, das auf die uniformen Bedürfnisse eines neuartigen Massentourismus zugeschnitten war, im Geiste der ostdeutschen Bürgerbewegung, aber vor allem der westdeutschen Bürgerinitiativkultur ein Projekt der “vielfältigen und widersprüchlichen Kräfte unserer Gesellschaft” entgegensetzen, ihres offenbar individualistischsten Teils. …

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