ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 22-27

ARCH+ 183

In girum imus nocte et consumimur igni

Von Steiner, Juri /  Stahlhut, Heinz /  Zweifel, Stefan /  Elsken, Ed van der

Die Kunst wird bei ihnen nicht mehr wie bei den Surrealisten in den Dienst der Revolution gestellt, sondern die Revolution der Gesellschaft wird zur letzten Kunstrichtung.

An der Herstellung dieser neuen Poesie des Alltags sollten alle beteiligt werden. Vorbild war „die große Fete“ der anarchistischen Pariser Kommune von 1870. Um den Einsturz der „Gesellschaft des Spektakels“, der modernen medialen „Strafkolonie“ zu beschleunigen, verschenkten sie ihre Flugschrift potlatch zunächst an fünfzig, zuletzt an fünfhundert Personen – ein gefährliches Geschenk, denn darin fanden sich, wie John Berger unter dem „Stich- und Stichelwort“ URTEILE zitiert wird, die „visionärsten und reinsten politischen Formulierungen“. Vor fünfzig Jahren also, am 27. Juli 1957, wurde, wie ein bisher noch nie öffentlich gezeigtes Papier aus Debords Hand bezeugt, die letzte große Avantgarde-Bewegung gegründet: Die Situationistische Internationale, kurz SI genannt. Mit insgesamt 72 Mitgliedern hat diese Internationale die typische Dynamik der Avantgarde, sämtliche früheren Avantgarde-Bewegungen zu übertrumpfen und alle alten Formen der Kunst zu zerstören, auf die Spitze getrieben und zuletzt die einzig logische Forderung gestellt, nämlich: Im Namen der einzig wahren Kunst, die sich eben nicht vom Spektakel und dem Markt vereinnahmen lässt, die Kunst insgesamt abzuschaffen und zu überwinden. Der Künstler hat nur noch eine Aufgabe: Neue Situationen für einen neuen Menschen zu schaffen.

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