ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 70-73

ARCH+ 229

Grenzen ausloten 
Architektur in 
den 1990er-Jahren

Von Davidovici, Irina

Der Eröffnungsvortrag des 20. Wiener Architektur Kongresses, Jean-Louis Cohens kenntnisreiche Untersuchung der Krisen, die den Architekturdiskurs der Nachkriegszeit vorantrieben, endete abrupt mit einer Folie, die den Fall der Berliner Mauer darstellte. Die Tatsache, dass dieses folgenschwere Ende der 1980er-Jahre eine natürliche historische Sollbruchstelle darstellt, scheint die Vermutung zu rechtfertigen, dass die 1990er-Jahre – folgte man der theoretischen Karte, die diese einleitende Keynote skizziert hatte – quasi jungfräuliches Territorium betraten.

Und tatsächlich begannen nur wenige Jahrzehnte in der jüngeren Geschichte mit einem so klaren Schnitt wie das letzte des 20. Jahrhunderts. Die politischen Ereignisse von 1989 führten zu einer glatten Zäsur, die den Beginn einer grenzenlosen Ära mit grenzenlosen Möglichkeiten markierte. Das Einreißen der Mauer hob nicht nur die folgenreichste Grenzziehung der Nachkriegsjahrzehnte auf, sondern zog auch eine unheimliche Entwertung politischer, kultureller und disziplinärer Grenzen nach sich. Das Jahr 1990 brachte die Wiedervereinigung Deutschlands, die Unabhängigkeit der baltischen Staaten und die Unterzeichnung des Durchführungsübereinkommens zum Schengen-Raum.

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