ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 36-45

ARCH+ 229

1970er-Jahre: Manfredo Tafuri
 und der Tod 
der Architektur

Von de Michelis, Marco

Manfredo Tafuri starb am 23. Februar 1994 im Alter von 59 Jahren. Bei seiner Beisetzung hielt der italienische Philosoph Massimo Cacciari eine unvergessene Trauerrede, in der er Tafuri als Meister der „Zeichen und der Spekulation“ statt der „Grundlagen und Gewissheiten“ beschrieb. Ein Jahr nach Tafuris Tod veröffentlichte die Zeitschrift Casabella eine umfassende monografische Ausgabe zu Ehren Tafuris, zu der 311 namhafte Architekt*innen und Gelehrte beitrugen, darunter Vittorio Gregotti, Rafael Moneo, Giorgio Ciucci, Howard Burns, Jean-Louis Cohen, Joan Ockman und viele weitere.

Jean-Louis Cohen betonte in seinem Artikel den „epistemologischen Bruch“, den Tafuris Auseinandersetzung mit der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts bewirkt hat – „einen Bruch, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind“.2 Joan Ockman lieferte ein glänzendes Porträt der in Fraktionen gespaltenen amerikanischen Architekturszene der 1970er-Jahre, indem sie das Herangehen der Neoavantgarde, vertreten durch Peter Eisenman, und den eher pragmatischen und nostalgischen Zugang der postmodernen Architekten beschrieb. Tafuris beispiellose theoretische Komplexität löste in der amerikanischen Theorieproduktion Ende des 20. Jahrhunderts eine Art Kulturschock mit weitreichenden Folgen aus.

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