ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 88-91

ARCH+ 229

2010er-Jahre: Die Zukunft der Architektur

Von Steiner, Dietmar

Wenn man die 2010er-Jahre, das laufende Jahrzehnt, und damit auch die Zukunft der Architektur betrachten oder abschätzen will, kann man sich zunächst einmal mit der Entwicklung der Architekturbiennalen in Venedig beschäftigen, deren Bedeutung in diesen Jahren extrem gestiegen ist. Ihren Ruf begründeten sie 1980. Paolo Portoghesis postmodernes Manifest Die Gegenwart der Vergangenheit bestimmte den Diskurs der folgenden Jahre. Dem folgten Jahre der politischen Querelen in Venedig mit unbedeutenden Veranstaltungen. Erst 1996 konnte Hans Hollein als Direktor den Architekten als Seismographen (L’architetto come sismografo) künftiger Entwicklungen präsentieren und damit den 1980 inthronisierten Star­architekten legitimieren.

Zu dieser Zeit, Mitte der 1990er-Jahre, erschien S,M,L,XL von Bruce Mau und Rem Koolhaas und Frank O. Gehrys Guggenheim Bilbao wurde eröffnet. Die Konjunktur der Ikonen-Architektur mit ihren Signature Buildings, durch die Postmoderne vorbereitet, begann. Ironie der Geschichte: OMA, der heute weltumspannende ‚Konzern‘, ging im Sommer 1995 in Konkurs und wurde von einer Ingenieurfirma übernommen. Und: Koolhaas und Gehry waren die einzigen Architekten, die sowohl 1980 an der Strada novissima der Architekturbiennale als auch 1988 an der von Philip Johnson im MoMA veranstalteten Dekonstruktivismus-Ausstellung teilnahmen, die dieser als Gegenentwurf zur Postmoderne ansah. Ja, es gibt und es gab immer schon so etwas wie ‚Architekturpolitik‘ unter und mit den Akteuren der Disziplin.

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