ARCH+ 222

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Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 82-85

ARCH+ 222

Neubebauung Areal Esso-Häuser

Von BeL Sozietät für Architektur /  NL Architects /  Bovelet, Jan

Dem vom Bezirk Hamburg-Mitte und der Bayerischen Hausbau ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb, den die Arbeitsgemeinschaft NL Architects und BeL Sozietät für Architektur 2015 gewannen, ging eine konfliktreiche Zeit um die Entmietung und den Abriss der Esso-Häuser voraus. Nachdem 2009 bekannt geworden war, dass der neue Eigentümer den Abriss des Komplexes plante, gründete sich 2010 die Initiative ESSO-Häuser als Interessenvertretung der Bewohner und Anrainer. Ziel war es unter anderem, den Altmietern die Rückkehr in den Neubau zu vergleichbaren Konditionen zu sichern. Im Juli 2014 beauftragte das Bezirksamt Hamburg-Mitte das Planungsbüro PlanBude mit der Durchführung von Beteiligungsverfahren für den Planungsprozess. Aus den verschiedenen vorgebrachten Ideen und Anregungen entwickelte PlanBude den sogenannten St. Pauli Code, der in die Wettbewerbsausschreibung einfloss. Der Code benennt sieben Punkte, die sich im Beteiligungsverfahren als zentrale Wünsche für die neue Bebauung herauskristallisierten: (1) Unterschiedlichkeit statt Homogenität, (2) Kleinteiligkeit, (3) günstig statt teuer, (4) Originalität und Toleranz, (5) Aneignung und Lebendigkeit, (6) Experiment und Subkultur und (7) Freiraum ohne Konsumzwang.

Der Siegerentwurf von NL und BeL zeigt sich erkennbar von diesem Code beeinflusst und sieht ein formal differenziertes Ensemble verschiedener Baukörper vor, das zusätzlich durch eine neue Gasse zwischen Reeperbahn/Spielbudenplatz und Kastanienallee erschlossen und gegliedert wird. Der Entwurf nimmt die St.-Paulitypischen Subkulturen mit ihren kleinteiligen und heterogenen Raumprogrammen auf und ergänzt sie durch neuere Wohnformen wie etwa generationenübergreifende Lebensmodelle; entsprechend finden sich in den Gebäuden sehr unterschiedliche Grundrisse für verschiedene Wohntypologien. Im Anschluss an den städtebaulichen folgt ein hochbaulicher Wettbewerb, zu dem neben NL und BeL die Büros Coido (Hamburg), Feld72 (Wien), Ifau/Jesko Fezer (Berlin) und Lacaton & Vassal (Paris) eingeladen wurden.

 

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