ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 66-67

ARCH+ 222

Synopse: Kritik durch Gestaltung

Von Oswalt, Philipp

Am Anfang progressiver Veränderungen steht meist eine kritische Reflexion des Status quo. Negation wirkt konstruktiv. Das Sichtbarmachen von Missständen, Krisen und Konflikten verschiebt die Perspektive und lenkt die Aufmerksamkeit auf relevante Fragen der Gegenwart. Hierbei kommen unterschiedlichste Strategien zum Einsatz: sachliche Informationsgrafiken, die über kritische Sachverhalte aufklären; spektakuläre Aktionen wie jene von Greenpeace, die Probleme medial dramatisieren; Entwürfe von dysfunktionalen Objekten durch Gestalter wie Didier Faustino oder Dunne & Raby, die nicht dem Alltagsgebrauch, sondern dessen kritischer Reflexion dienen; hypothetische Gegenentwürfe zum Status quo wie die Charta von Dubai von SMAQ, die Missstände aufzeigen; kritische räumliche Analysen von Gestaltern wie der Gruppe Forensic Architecture am Goldsmiths College London, die Probleme der Gegenwart offenlegen. Durch die kritische Repräsentation der Realität gestalten sie diese mit.

Ein solches Vorgehen steht in der Tradition der klassischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts. Exemplarisch für diese sind künstlerische Positionen wie der Dadaismus oder die Künstler Otto Dix und George Grosz, pazifistische Projekte wie das legendäre Buch Krieg dem Kriege von Ernst Friedrich oder auch die scharfe Kritik der Gründerzeitarchitektur durch die Architekten des Neuen Bauens. ...

 

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