ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 166-167

ARCH+ 222

Synopse: Szenarien

Von Oswalt, Philipp /  Faber, Kerstin

Szenarien beschreiben mögliche Zukunftsbilder anhand plausibler Entwicklungspfade, um die zukünftigen Folgen heutigen Handelns zu reflektieren und frühzeitig auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Im Gegensatz zur Prognose wird in Szenarien die Unsicherheit über die Zukunft mitgedacht. 1971 beginnt das Unternehmen Royal Dutch Shell die aus den Militärstrategien des Kalten Krieges stammende Szenariotechnik für seine strategische Unternehmensplanung zu nutzen. Als zwei Jahre später die Ölkrise eintritt, ist das Unternehmen besser auf den Schock vorbereitet als die Konkurrenz.

In der Raumplanung ist die französische Planungsbehörde DATAR Vorreiter in der angewandten Szenariotechnik. Sie stellt 1971 mit dem Scénario de l’inacceptable ein Bild der sozial-räumlichen Polarisierung Frankreichs für das Jahr 2000 auf, das jedoch als Schreckensbild die Planung nachhaltig beeinflusst. Ebenfalls in den 1970er-Jahren finden die verschiedenen Szenariotechniken Eingang in die nationale Raumplanung der Niederlande. Obwohl der Versuch scheitert, die Niederlande als Ganzes umzugestalten, bilden insbesondere die Stadt- und Entwurfsszenarien von Vertretern der Superdutch-Ära, da unter OMA, MVRDV und West 8, Grundlagen für ein neues Denken über die Zukunft. Sie werden weltweit zu Referenzen.

Szenarien entwerfen offene Zukünfte für konkrete Orte. Sie stellen Entwicklungsoptionen zur Diskussion und ermöglichen damit das gesellschaftliche Aushandeln des Gewünschten zwischen vielen Akteuren, wobei eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden kann. Im Unterschied zu den Utopien der klassischen Moderne fixieren sie kein bestimmtes Ziel und determinieren nicht die Zukunft, sondern öffnen vielmehr diese durch plurale Narrative. ...

 

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