ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 50-53

ARCH+ 222

Die Debatte um kritische Architektur

Von Baird, George

Mit der Krise der Moderne entwickelte sich in einem transatlantischen Diskurs die Idee der criticality in der Architektur, vereinfacht gesagt die Idee einer „Kritischen Architektur“. Grundlegend war hierfür die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, insbesondere Theodor W. Adornos Ästhetische Theorie und Manfredo Tafuris architekturtheoretische Schriften. Im Jahr 2004 beschrieb Georg Baird in dem hier vom Autor überarbeiteten Text die grundlegenden Positionen in dieser Debatte und ihre Entwicklung aus einer amerikanischen Perspektive. Die redaktionelle Nachbemerkung ergänzt dies kurz aus heutiger europäischer Sicht.

Auf dem Gebiet der Architekturtheorie wurde in den USA um 2005 eine heftige Auseinandersetzung geführt. Eine so engagierte Debatte hatte es seit dem Beginn der polemischen Attacken der Vertreter des Dekonstruktivismus auf die Postmoderne in der Zeit um 1990 nicht mehr gegeben. Es ging um den Begriff der criticality, der „Kritischen Architektur“, wie sie innerhalb der avancierten Architekturtheorie seit mindestens drei Jahrzehnten eingefordert wird. Noch heute wird criticality, ein im Deutschen schwer übersetzbarer Begriff, der einen kritischen Entwurfsansatz postuliert, oft als überholt, unmaßgeblich und/oder als Hindernis für gestalterische Kreativität aufgefasst. Ein interessanter Vorbote der aktuellen Kommentare war eine heftige Äußerung Rem Koolhaas im Rahmen der ANYKonferenz im Canadian Centre for Architecture in Toronto im Jahr 1994. „Das Problem mit dem vorherrschenden Diskurs der Architekturkritik“, beschwerte sich Koolhaas, „ist [die] Unfähigkeit anzuerkennen, dass Architektur ihren innersten Motivationen nach nicht kritisch sein kann.“ ...

 

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