Projektraum SCHARAUN: Filmscreening & Finissage am 14.8.2020

Geschrieben am 12.08.2020
Kategorie(n): ARCH+ news, Film, Ausstellung, Architektur, Kino

Scharaun ist ein interdisziplinärer Projektraum für Kunst und Architektur. Er befindet sich im 3. Stock der von Hans Scharoun entworfenen und 1930 fertiggestellten Wohnanlage am Jungfernheideweg 4 in Berlin-Siemensstadt. Das Projekt wurde im August 2017 von dem Bildenden Künstler Jaro Straub als interdisziplinärer Ausstellungsraum für Kunst und Architektur in Berlin-Siemensstadt gegründet und befindet sich seitdem unter dessen künstlerischer Leitung.

In Erweiterung dieses Raums geht die von Olaf Stüber und Jaro Straub konzipierte Filmreihe Kino Siemenstadt: Das Bild einer Stadt im Raum des Kinos in einem dreizehnwöchigen Online-Programm der Frage nach, wie sich die Themen Raum und Architektur im Bereich Künstlerfilm und Video widerspiegeln. Wie gelingt es der zeitgenössischen Kunst, die Geschichte und die Geschichten der Stadt in Bilder zu übersetzen und wieweit kann sie dabei den aktuellen Diskurs über (historische) Architektur weiterführen, auch und gerade wenn die Intention über das rein Dokumentarische hinausgeht?

Der Titel Kino Siemenstadt nimmt Bezug auf das ehemalige Filmtheater in der Nonnendammallee 96 in direkter Nachbarschaft von Scharaun. Als eines von zwei Kinos in Siemensstadt stellte es von 1931 bis 1962 eine der wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten für die Siemens-Arbeiter*innen und ihre Angehörigen dar. Heute werden hier keine Filme mehr gezeigt. Wie so viele Kinos musste es einem anderen Zweck weichen, derzeit bietet der Textildiscounter KIK dort seine Ware an.



Programm #12, Freitag 14. August | ab 18h
Verena von Beckerath: Two Houses (2019) 38 min
Ofir Feldman: Wir Siemensstädter (2019) 20 min

Die Filme werden für sechs Tage online auf www.scharaun.de abrufbar sein, bevor der Countdown zum nächsten Programm einsetzt.
Two Houses
präsentierten und disktutierten wir vor einem Jahr in unserem ARCH+ Salon.

Ende August wird eine Auswahl der online gezeigten Arbeiten nochmals installativ im „realen“ Raum gezeigt. Sowohl in den eigenen Räumen, in der Infostation Siemensstadt als auch an weiteren Orten sollen die Erfahrungen der letzten Wochen vor dem Hintergrund einer Präsentation mit Publikum, dem gemeinschaftlichen Schauen und dem direkten Gegenüber von Werk und Rezipient reflektiert werden.

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Die aktuelle Ausstellung im Scharaun wiederum zeigt noch bis zum 14. August unter dem Titel Konrad Wachsmann Project Part 1 Arbeiten von Eva Berendes, Ulrike Flaig, Sofia Hultén, Antonia Low, Barry Johnston, Sophie Nys, Tommy Støckel, Jaro Straub, Tim Tetzner, Shirley Tse und Albert Weis.

Konrad Wachsmann (1901 Frankfurt/Oder - 1980 Los Angeles) war ein deutscher, in den USA lebender Architekt und Ingenieur. Wachsmann gilt als Pionier modularer Verbindungs- und Bausysteme und universeller Konstruktionsprozesse. Neben seiner Entwicklungstätigkeit unterrichtete Wachsmann u.a. am IIT Institute of Design in Chicago, wo er 1953 mit seinen Studenten ein von der Weinranke inspiriertes Konstruktionselement entwarf. Möglicherweise aufgrund seiner Nicht-Realisierbarkeit findet dieser hypothetische Architekturentwurf – betitelt Grapevine Structure – lange Zeit keine größere Beachtung.

Das Niveau von Abstraktion der Entwürfe lässt die Frage offen, ob Wachsmann und seine Studenten die Grapevine Structure jemals als architektonische Struktur geplant hatten. Oder handelt es sich bei dieser structure without joints eventuell um einen metaphorischen Verweis auf das neuronale Netz zwischenmenschlicher Beziehungen und dessen reziprokem Impuls, die Vergänglichkeit menschlichen Handelns in Form von Architektur zu manifestieren?

Smoke a Grid like Grapevine does nimmt das utopische Moment von Wachsmanns Grapevine Structure als Ausgangspunkt für eine Gruppenausstellung jenseits architektonischer Paradigmen, die gleichermaßen Verbindungen zu Wachsmann knüpft, künstlerische Interventionen ermöglicht, und dabei immer wieder Anschlussstellen herausbildet, deren Knotenpunkte sich so schnell wieder verflüchtigen wie der Rauch einer Tareyton Zigarette.

Die Ausstellung ist von Ulrike Flaig, Tommy Støckel, Jaro Straub und Tim Tetzner kuratiert.

Finissage am Freitag, 14. August 2020 | 18h bis 22h
Katalogpräsentation | 19h
Albert Weis : changes im Gespräch mit Ralf F. Hartmann (ZAK)

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