ARCH+ 240


Erschienen in ARCH+ 240,
Seite(n) 198-209

ARCH+ 240

"Wir sind Kinder der Krise"

Von NP2F /  Kempe, André

André Kempe: Wo habt Ihr Euch kennengelernt?

Nicolas Guérin: An der Architekturhochschule ENSA Marseille, wo wir mit dem Studium angefangen haben. Später sind wir gemeinsam nach Paris gegangen. 2006 haben wir unser Studium an der Architekturhochschule ENSA Paris-Malaquais abgeschlossen.François Chas: Schon während des Studiums haben wir gemeinsam Projekte durchgeführt. Wir sind eine Gruppe aus Südfrankreich, die sich in Paris eingeschmuggelt hat.

Zwei von uns, Paul und Nico, stammen aus Marseille, die beiden anderen, Fabrice und ich, aus Nizza. 2008 gewannen wir den Europan 9 in Delémont. Bis 2010 haben wir als Freelancer an Wohnbauprojekten gearbeitet. In dem Jahr wurden wir mit dem in Frankreich sehr wichtigen Preis Albums des Jeunes Architectes et des Paysagistes [AJAP] ausgezeichnet. Als wir dann eine ausreichende wirtschaftliche Basis hatten, hörten wir auf, für andere Büros zu arbeiten und eröffneten 2009/10 unser eigenes Büro in Paris. AK: Djamel Klouche erwähnte in unserem Interview, dass Ihr vor der Gründung Eures Büros für ihn gearbeitet habt.

FC: Wir waren alle vier bei Djamel beschäftigt, der an der ENSA Paris-Malaquais unser Professor war. Es gibt mittlerweile eine ganze Generation von Leuten, die in seinem Büro l’AUC waren: etwa Susanne Eliasson und Anthony Jammes von GRAU, Ido Avissar von LIST, und wir vier. Die ENSA Paris-Malaquais war damals unglaublich: Als wir im Jahr 2001 nach Paris kamen, war sie gerade gegründet worden. Es war eine ganz neue Schule, mit neuem Unterrichtsprogramm und vielen interessanten Leuten. Djamel gehörte, wie zum Beispiel auch Anne Mie Depuydt von uapS, zu den sehr aktiven Lehrkräften.

Paul Maitre Devallon: Djamel war nicht nur deshalb wichtig für uns, weil wir unsere Abschlussarbeit bei ihm machten, sondern auch weil wir gleichzeitig bei ihm an Wettbewerben arbeiteten. Das ist etwas, das nicht jeder zulässt, aber ihm gefiel es: die Überlagerungen zwischen dem Studium, der Arbeit in seinem Büro und unseren eigenen Projekten.

In der Zeit bei ihm haben wir den Europan gewonnen. Nicolas ist danach für zwei Jahre zu Lacaton & Vassal gegangen, Fabrice war ein Jahr lang in Barcelona und ich war bei Herzog & De Meuron. Es kommen also viele Einflüsse zusammen, ganz unterschiedliche Herangehensweisen an Architektur. Wir haben dabei viel gelernt und begonnen, eine eigene Haltung zu entwickeln.

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