ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 154-161

ARCH+ 238

In Statu Quo – Architekturen der Aushandlung

Von Finkelmann, Ifat

1862 beauftragte Süreyya Pascha, der osmanische Statthalter von Jerusalem, den deutschen protestantischen Archäologen und Uhrmacher Conrad Schick mit der Anfertigung eines Modells der dortigen Grabeskirche, die der Überlieferung nach am Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu steht.

Er hoffte, mit einer dreidimensionalen Darstellung der Kirche seinen Vorgesetzten in Konstantinopel die komplexen Besitz­verhältnisse in dem Gebäude verdeutlichen zu können. Nach dem Krimkrieg (1853–56) war dies sehr wichtig, hatte sich dieser doch vordergründig an Streitigkeiten und der fortbestehenden Uneinigkeit über die Rechte der christlichen Minderheiten in den heiligen Stätten entzündet.

Die im 19. Jahrhundert gefundenen Übereinkommen hinsichtlich der Kirche, die später durch den Berliner Vertrag von 1878 als Teil des Waffenstillstandsabkommens auch völkerrechtlich definiert wurden, teilen das Bauwerk in genau festgelegte Segmente und Untersegmente mit klar abgegrenzten Zuständigkeitsbereichen für die einzelnen christlichen Konfessionen, die ihre Ansprüche an dem Gebäude geltend machen: die griechisch-orthodoxe, die römisch-katholische, die armenische, die koptische, die syrische und die äthiopische Kirche. Aus diesem Grund wurden Säulen nummeriert, Wege fliesen­genau aufgeteilt, Türen unterteilt und Gesimse untergliedert; seither wacht jede Gruppe streng über die Einhaltung ihrer Rechte an den Teilbereichen, die ihr zugesprochen wurden, hält zugleich aber an ihrem Anspruch auf die gesamte Kirche fest.

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