ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 148-153

ARCH+ 238

Fukushima Atlas – Visualisierung der unsichtbaren Katastrophe

Von Aoi, Akihito

Das Tōhoku-Erdbeben und der Tsunami führten im Jahr 2011 bekanntlich zur Kernschmelze im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und zur radioaktiven Verseuchung der umliegenden Landstriche. Die langwierigen Folgen des Desasters gaben 2013 Anlass zur Gründung des Fukushima Housing and Community Design Network.

Dessen Hauptanliegen ist es, lokale Gemeinden, Evakuierte, Architekt*innen und Baufirmen beim Wiederaufbau der Region zu unterstützen. Ein öffentlich gefördertes Projekt dieser gemeinnützigen Organisation ist der Fukushima Atlas. Sein Ziel ist die Untersuchung der temporären Lebens­bedingungen der Menschen, die aufgrund der hohen Strahlenbelastung gezwungen waren, ihre Heimatregion zu verlassen. Die bisherigen Ergebnisse des noch laufenden Forschungsprojekts wurden in einem mehrbändigen Bildatlas veröffentlicht. Ein Team von Expert*innen aus den Bereichen Architektur, Landschaftsplanung, Journalismus und Grafikdesign hat hierfür eine umfassende Sammlung von Karten und Zeichnungen erstellt.

Der Fukushima Atlas wurde angelegt, weil ein wesentlicher Aspekt nuklearer Katastrophen deren Unsichtbarkeit ist. Während die Naturkatastrophe in den vom Erdbeben erschütterten und vom Tsunami weggespülten Städten und Dörfern deutliche Spuren der Zerstörung hinter­lassen hat, ist die einzige sichtbare Spur des radio­aktiven Niederschlags die nahezu vollständige Abwesenheit menschlichen Lebens in den betroffenen Gebieten. Die Dekontaminierung dauert immer noch an; einige Straßen wurden mit Zäunen gesperrt. Der verseuchte Ackerboden wurde großflächig entfernt und durch eine frische Schicht gelblich schimmernden Mutter­bodens ersetzt. Doch diese vergleichsweise geringfügigen Spuren offenbaren nicht das volle Ausmaß der Atomkatastrophe. Um die menschliche Dimension des Vorfalls aufzuzeigen, ist es daher essenziell, die unsichtbaren Folgen sichtbar zu machen.

 

 
SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!