ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 140-147

ARCH+ 238

Wajiro Kons Studienskizzen und die Japanische Architektur des 20. Jahrhunderts

Von Kuroishi, Izumi

Skizzen, die im Rahmen eines Entwurfsprozesses erstellt werden, liefern uns einen Schlüssel zum Verständnis der architektonischen Intention, der technischen Parameter sowie DER gesellschaftlichen und natürlichen Zusammenhänge eines Baus.

Häufig werden Studienskizzen von Architekt*innen herangezogen, um die Merkmale von Umgebung und Region eines Grundstücks sowie den Zustand bestehender Gebäude und deren Lage zu untersuchen. Doch die spontane und intuitive Einsicht in die Lebensweise und Handlungen der Menschen vor Ort wird nur selten als wissenschaftliche Beobachtung anerkannt. Dabei besitzen Skizzen die Fähigkeit, zu einem empathischen Verständnis für die Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen von Menschen in verschiedenen Epochen und an verschiedenen Orten beizutragen. Darüber hinaus erweitern sie das architektonische Denken, indem sie die Vorstellungskraft des Publikums anregen.

Japan verfügt in dieser Hinsicht über eine bedeutsame Tradition. Ab dem frühen 20. Jahrhundert gab es eine Vielzahl von Ansätzen, Alltagsarchitektur und ländliche Räume zu erforschen. Solche Feldstudien haben einzigartige architektonische Konzepte hervorgebracht. Ein Grund für die Verbreitung ethnografischer Feldstudien in Japan bestand darin, dass viele Intellektuelle an der Erforschung ihrer eigenen kulturellen Identität interessiert waren, selbst wenn sie sich der nationalen Politik der Modernisierung im Sinne einer Verwestlichung verpflichtet fühlten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es vornehmlich Ethnografen, Ökonomen, Geografen und Architekten, die in Feldstudien die bäuerliche Architektur und Landschaft dokumentierten. Sie brachten damit ihre Zurückhaltung gegenüber der rapiden Modernisierung und Verwestlichung Japans zum Ausdruck und folgten damit ähnlichen europäischen Bestrebungen, traditionelle bäuerliche Landschaften und Lebensweisen als kulturelle Grundlagen einer Nation anzusehen. Philosophen reisten nach Deutschland und Frankreich, um Phänomenologie und Existenzphilosophie zu studieren, deren Ideen sie nach ihrer Rückkehr in Japan verbreiteten. Soziologen, Kulturanthropologen, Agrarwissenschaftler und Architekten führten regionalräumliche Untersuchungen zu Slums, sozialen Problemen und dem Leben einfacher Menschen durch.

Als Pionier ethnografischer Studienskizzen gilt Wajiro Kon, der sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv mit der Alltagsarchitektur und dem Alltagsleben der Menschen befasste.

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