ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 134-139

ARCH+ 238

Who Builds Your Architecture? Globale Netzwerke des Bauens

Von WBYA? /  Andreas Kalpakci

Normalerweise sollen Architekturzeichnungen sämtliche Aspekte eines Bauprozesses abbilden und die Arbeitsabläufe koordinieren. Die Verantwortung für ihre Erstellung und Ausgestaltung liegt bei Architekt­*innen und Fachplaner*innen. Das Projekt Global Construction Networks zielt darauf ab, sich die Macht des Plans zunutze zu machen, um stattdessen auf die darin implizierten Arbeits­bedingungen hinzuweisen sowie Einfluss auf die Situation des Arbeitsrechts in der Bauindustrie zu nehmen.

Im Laufe der vergangen 7 Jahre hat die Arbeitsgruppe Who Builds Your Architecture? (WBYA?) die komplexen Beziehungen zwischen Planenden und Arbeiter*innen in der globalen Baubranche untersucht. 2012 organisierte WBYA? an der New School in New York eine Podiumsdiskussion, bei der sich alles um die Frage „Who builds your architecture?“ drehte. Der Titel der Veranstaltung nahm Bezug auf eine Petition der Gulf Labor Coalition, die auf den Bau des neuen Guggenheim-Museums in Abu Dhabi und auf die Proteste internationaler Künstler*innen gegen die dortigen Arbeitsbedingungen aufmerksam machte. Die Kunstschaffenden drohten das neue Museum zu boykottieren, falls die Guggenheim Foundation nicht gegen die von Menschenrechtsorganisationen aufgedeckten ausbeuterischen Arbeits­bedingungen auf Baustellen in Abu Dhabi angehen würde. Der Schwerpunkt der Podiumsdiskussion von 2012 war die Frage, welche Rolle den Planenden bei diesem Problem zukommt. Als Architekt*innen waren wir uns bei WBYA? jedoch durchaus bewusst, dass diese Themen weit über den Zuständigkeitsbereich einer einzelnen Institution, den Maßstab eines einzelnen Gebäudes oder die Verantwortung einer einzelnen Stadt hinausgehen: Die Baubranche von heute ist eine globalisierte Industrie, die auf weltumspannende Ströme von Menschen und Materialien angewiesen ist. So gesehen ist Wander­arbeit ein konstituierender sozioökonomischer Faktor des zeitgenössischen Bauens. Zu einem Zeitpunkt, in dem in der Architekturszene in puncto Menschenrechtsverletzungen auf Baustellen in der Golfregion großes Schweigen herrschte, wollten wir mit der Veranstaltung das Thema zumindest zur Sprache bringen. Doch im Verlauf der Diskussion waren sich WBYA? und alle Teilnehmenden der Veranstaltung einig, dass anlassbezogener temporärer Widerspruch – wie etwa das Unterschreiben einer Petition – nicht genügten. Stattdessen brauche man einen langfristigen Ansatz, der auf eine Sensibili­sierung und Aufklärung der Planenden zielt.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!