ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 88-93

ARCH+ 238

12 Views of Venice, 2018

Von Andreas Kalpakci

12 Views of Venice, 2018 ist eine Reihe von Zeichnungen, die während eines einwöchigen internationalen Sommerkurses im Japanischen Pavillon der 16. Architekturbiennale in Venedig von 37 Studierenden angefertigt wurden. Die Zeichnungen sind das Resultat einer Untersuchung, die das öffentliche Leben der Stadt zum Gegenstand hatte.

Sie wurde auf 12 Plätzen (campi) in ganz Venedig durchgeführt, die sowohl in peripheren Stadtteilen, die von Einheimischen genutzt werden, als auch zentral gelegen sind und vor allem von Tourist*innen frequentiert werden. Die Recherchen sollten jeweils die Routinen und das Alltagsleben in den gewachsenen architektonischen und urbanen Formen der Stadt aufspüren. Dabei wurde sowohl nach Brüchen als auch nach einer Kontinuität der Nutzungen gesucht. Die Studierenden untersuchten, in welcher Verbindung der jeweilige Platz zu venezianischen Bräuchen wie Feste und religiöse Prozessionen sowie zur ikonografischen Tradition der großen Leinwandgemälde (teleri) und Stadt­ansichten (vedute) von Venedig steht.

Der Sommerkurs griff auf die Methode des „öffentlichen Zeichnens“ zurück, die das Atelier Bow-Wow in früheren Workshops in Japan (Kitamoto KAO Projekt, 2012) und in den USA (BMW Guggenheim Lab, 2011) erprobt hatte. Dabei werden in Teamarbeit große, axonometrische Strichzeichnungen öffentlicher Räume angefertigt. Die Gruppen bestanden aus jeweils 3 oder 4 Studierenden, wobei jedes Team einen anderen Standort untersuchte und eine eigene Arbeitsmethode entwickelte. Einige bemühten sich dabei um Genauigkeit und suchten zum Beispiel ihren Platz zu verschiedenen Tageszeiten auf. Andere gingen arbeitsteilig vor, indem eine Person beispielsweise nur Architektur zeichnete, während sich eine andere auf Menschen konzentrierte. Wieder andere strebten nach gemeinschaftlicher Bearbeitung und entwickelten ein komplexes Verfahren, bei dem die Zeichnung in gleichmäßigen Zeitabständen weitergereicht wurde, damit alle Gruppenmitglieder sich gleich­berechtigt einbringen konnten.

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