ARCH+ 238


Erschienen in ARCH+ 238,
Seite(n) 42-45

ARCH+ 238

Club Colombia

Von Rothuizen, Jan

Ich begann, Städte zeichnerisch zu erkunden, weil mich die Einsamkeit des Ateliers frustrierte. Nach Jahren der isolierten Arbeit wurde mir klar, wie viel mehr ich erleben kann, wenn ich einfach durch eine Stadt laufe; und so beschloss ich, meinen Alltag grafisch zu erzählen. Zunächst dokumentierte ich einfach meine Spaziergänge in Form von Texten, Fotos 
und Skizzen.

Nach und nach entwickelte ich meinen besonderen Zeichenansatz weiter, in dem Texte und Bilder gleichberechtigt zum Einsatz kommen. Meine Zeichnungen erzählen meist mithilfe detaillierter grafischer und textlicher Elemente von den Orten, 
die ich besucht habe. Sie sind wie Fenster, durch die ich das alltägliche Leben 
beobachte. Die Rolle, die ich als Künstler 
einnehme, ist gewissermaßen die eines Souffleurs, der den Betrachtenden 
mit kurzen Kommentaren und Informationen über die vorgefundenen Menschen und Dinge auf die Sprünge hilft. Bei der Lektüre des Buches Soft City (1974) von Jonathan Raban entdeckte ich Parallelen zwischen meiner Art der Stadterkundung und 
seiner Form der Darstellung von London als Schwelle zwischen dem Realen, dem Imaginären und den persönlichen Erfah­rungen des Autors. Meine Zeichnungen 
sind nicht linear. Es gibt keine vorbestimmte Abfolge, in der man sie lesen soll. Die Betrachter*innen entscheiden selbst, wo sie anfangen. In letzter Zeit habe ich Zeichnungen, Fotografien, Videos und Animationen in einem frei navigierbaren digitalen Interface kombiniert, um auf diese Weise mit 
grafischen Geschichten ohne klassischem Anfang und Ende zu experimentieren.

Das Projekt Club Colombia ist eine solche Geschichte. Aktuell entwickle ich ein Buch und einen interaktiven Online-Film aus dem während meiner Kolumbien-Aufenthalte entstandenen Material. Eine der ersten Zeichnungen für das Projekt war eine kommentierte Karte meiner Spaziergänge durch die Innenstadt von Bogotá. Auf diesen Streifzügen machte ich mir Notizen von allem, was mir ins Auge fiel. In einer zweiten Phase wählte ich einige spezifische Orte aus, die mir als besonders geeignete Einstiegspunkte erschienen, um eine Reihe von Geschichten über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Kolumbiens zu erzählen.

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