ARCH+ 237


Erschienen in ARCH+ 237,
Seite(n) 84-91

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Frankfurt: Die kultur-politische Wende der Bundesrepublik

Von Kuhnert, Nikolaus

Nach seiner Rückkehr aus den USA konnte Ungers – vor allem auch dank der Unterstützung von Heinrich Klotz in Frankfurt am Main – wieder anfangen zu bauen. Er profitierte dort nicht nur von einer kultur-politischen Wende, die sich zu dieser Zeit in der Bundesrepublik vollzog, sondern trug mit seinen Architekturen auch selbst zu dieser bei. Der Auftakt zu dieser Wende vollzog sich am Ende der 70er-Jahre in Frankfurt. 1977 ging dort mit der Abwahl von SPD-Oberbürgermeister Rudi Arndt eine Epoche sozialdemokratischer Stadtpolitik zu Ende, wie sie die Bundesrepublik über Jahrzehnte bestimmt hatte. Es begann eine politische Neuausrichtung, die sich zunächst kulturpolitisch und dann auch politisch mit der Dominanz des politischen Konservatismus abzeichnete.

Die sozialdemokratische Stadtpolitik stand im Zeichen des keynesianischen Wohlfahrtstaates und versuchte in dessen Rahmen die ökonomisch bedingte Ungleichheit durch politische Ausgleichsmechanismen zu kompensieren, etwa durch Verbesserungen im Bereich der Ausbildung, der Gesundheitsfürsorge und auch des Wohnens und der Stadt. Die Ursachen der Ungleichheit, die Arbeitsverhältnisse, blieben hingegen unangetastet. Die Stärke dieser Politik lag darin, dass sie die Ökonomie, wenn auch antizyklisch, zu steuern versucht hatte. Damit band sie jedoch den Wohlfahrtsstaat auf Gedeih und Verderb an die Entwicklung der Ökonomie. Durch Überakkumulation, Rezession und die steigende Belastung des Staatshaushalts infolge des Ausbaus des Sozialstaates in der unmittelbaren Nachkriegszeit geriet diese Bindung in den 70er-Jahren in eine Krise. Das brachte auch das sozial-demokratische Stadtmodell zur Kompensation ökonomischer Ungleichheit ins Wanken.

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