ARCH+ 237


Erschienen in ARCH+ 237,
Seite(n) 44-59

ARCH+ 237

Aachen und die Anfänge bei der ARCH+

Von Kuhnert, Nikolaus

Nach meinem Studienabschluss habe ich für ein Jahr das Planerhauptseminar am Fachbereich 2 der TU mitorganisiert, ein von einem Zusammenschluss von Student*innen selbstgestaltetes Seminar. 1972 ging ich an den Assistentenpool an der Architekturfakultät der RWTH Aachen. Ich packte den gesamten Inhalt meiner Berliner Wohnung zusammen und zog damit nach Aachen: Thonet-Stühle aller Art, mein selbst entworfenes Bett und Regale, die blauen Bände der Marx-Engels-Werke, die ich in den 60er-Jahren in Ost-Berlin zum Preis des verbindlichen Mindestumtauschgeldes erworben hatte und die mich seither begleiten, meine Sammlung von Schellackplatten des Berliner Ensembles, die einmal in der Lehre an der RWTH zum Einsatz kamen, als ich im Grundstudium zu Bertolt Brecht einführte.

Wulf Eichstädt, den ich aus Berlin kannte und der ein Jahr zuvor an die RWTH Aachen gegangen war, hatte Günther Uhlig und mich eingeladen, uns dort vorzustellen. In einer zweiten Phase haben sich auch Marc Fester und Sabine Kraft dort beworben, so sind wir alle nach Aachen gekommen. Der Assistentenpool war ein lehrstuhlunabhängiges Gremium, das die Architekturausbildung an der RWTH reformieren sollte. Bis dahin wurden die Studierenden bis zum Vordiplom nur in den sogenannten Hilfswissenschaften wie Statik und freies Zeichnen unterrichtet, erst nach dem Vordiplom begannen sie Entwürfe anzufertigen. Dieses Modell galt nun als überholt und sollte durch ein interdisziplinäres Projektstudium gemeinsam mit den Studierenden der Sozialwissenschaften und Stadtplanung ersetzt werden. Der Assistentenpool selbst setzte sich aus Architekt*innen, Sozialwissenschaftler­*innen und Philosoph*­innen zusammen.

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