ARCH+ 237


Erschienen in ARCH+ 237,
Seite(n) 16-27

ARCH+ 237

Kindheit und Jugend in Bergstücken und Berlin

Von Kuhnert, Nikolaus

Ich wurde am 7. März 1939 als Kind meiner jüdischen Mutter Gerda Gumpert und meines katholischen Vaters Walter Kuhnert geboren. Meine Eltern hatten am 13. Mai 1933, wenige Monate nach der Machter­greifung Hitlers, geheiratet. Nach einer Maurerlehre und dem Besuch der Baugewerkschule Neukölln hatte mein Vater für den Architekten Heinrich Straumer gearbeitet, bevor er Mitte der 20er-Jahre gemeinsam mit Karl J. Pfeiffer ein eigenes Büro gründete. Zusammen bauten die beiden verschiedene Wohnhäuser in der Umgebung von Potsdam und gewannen 1925 zweite Preise bei den Wettbewerben für den Flughafen Tempelhof und für das Rathaus in Zehlendorf. 1926 wurde ein Werk der beiden in der Abteilung der Novembergruppe auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Aus dieser Zeit stammt auch eines der besten Projekte meines Vaters, ein Wochenend- und Bootshaus am Fahrlander See bei Potsdam, das er gemeinsam mit seinem Büropartner für einen Unternehmer im Stil des Neuen Bauens entwarf. Bei zwei weiteren ihrer Projekte, den Häusern Noack und Benkhof in Neu Fahrland, nahm später Hans Scharoun Innenausbauten vor, wodurch sie auf dessen Werkliste landeten.1 Bekannt ist auch unser eigenes Wohnhaus in Bergstücken, in der Schubertstraße 2 in Potsdam-Babelsberg, das mein Vater 1932 gebaut hat und in dem ich aufgewachsen bin. 

Doch nach der Verlobung meiner Eltern stellte Karl J. Pfeiffer, der Kompagnon meines Vaters und Mitinhaber des Architekturbüros, ihn vor die Wahl: Büropartnerschaft oder Heirat. Weil mein Vater sich für meine jüdische Mutter entschied, verlor er sein Büro und wurde daraufhin aus dem BDA ausgeschlossen.

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