ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 90-92

ARCH+ 236

Die Heraus­forderungen des Plattformkapitalismus

Von Srnicek, Nick

Die Welt um uns herum scheint zunehmend von schwer fassbaren Gebilden, sogenannten „Plattformen“, geprägt. Facebook wird vorgeworfen, Fake News endlos weiter­zuverbreiten und das Wahlergebnis in den USA beeinflusst zu haben, Amazon arbeitet an einem radikalen Umbau der Logistik und einer automatisierten Zukunft ohne Arbeit. Google entwickelt mit rasanter Geschwindigkeit neue Techniken der künstlichen Intelligenz, die bereits jetzt die Art der Interaktion zwischen uns und der Technologie um uns herum verändern, während Uber ein neues, hochgradig ausbeuterisches Beschäftigungsmodell pflegt. Doch was für Unternehmen sind das eigentlich, und was haben sie gemeinsam?

In der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Unternehmen wird vor allem ihre Rolle als politische und kulturelle Akteure diskutiert. Die Aufregung um Fake News ist das jüngste Beispiel, doch Datenschutzverletzungen und politischer Lobbyismus sind bei diesen Firmen von jeher an der Tagesordnung. Während also ihre Sprache von einer kalifornischen Ideologie, vom Libertarismus, von der Informationsfreiheit geprägt ist, setzen Kritiker*innen oft auf kulturelle und politische Argumente. Dieser Ansatz verkennt jedoch, dass es sich bei diesen Firmen in erster Linie um Akteure einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung handelt – die spezielle Anforderungen an Unternehmen stellt. Berücksichtigt man Plattformen als neues Geschäftsmodell innerhalb des Kapitalismus, lässt sich etwas Licht in die mysteriöseren Aktivitäten dieser Unternehmen bringen.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!