ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 86-89

ARCH+ 236

Ein politisches Forum für eine digitale Öffentlichkeit

Von Hovestadt, Ludger /  Brandlhuber, Arno

Stellt dieser Blickwinkel die Rolle von Architekt*innen als Innovator*innen und Visionär*innen noch stärker in Frage, als dies bereits in den vergangenen Jahrzehnten durch die Ökonomisierung der Stadt und der ländlichen Gebiete der Fall war? Welche Ansätze für eine Selbst­ermächtigung der digitalen Öffentlichkeit gibt es? Arno Brandlhuber, Professor für Entwurf und Architektur, sprach im Rahmen seines Forschungs- und Entwurfs­projektes station+ mit Ludger Hovestadt, Professor für Architektur und CAAD – beide lehren am Departement Architektur der ETH Zürich.

Arno Brandlhuber: Ich möchte mit einem Zitat von Ihnen beginnen. Bei einem Gipfeltreffen zur Zukunft der ETH sagten Sie: „Die meisten unserer internationalen Wettbewerber im Bereich der Ausbildung sind Unternehmen. Sie sind smart, reich, schnell und flexibel – sie sind aggressiv. Wenn wir deren Spiel mitspielen, dann können wir als demo­kratische Institution nur verlieren.“ Wer sind diese Wettbewerber, und welche Rolle spielen sie in der Diskussion um Innovationen?

Ludger Hovestadt: Als Architekt, der im Bereich Künstliche Intelligenz an einer öffentlichen, staatlich finanzierten Hochschule lehrt und forscht, bereiten mir die aktuellen Diskussionen über Rolle und Aufgabe einer Institution wie der unseren große Sorgen. Es geht immer um die Frage: Was ist Gegenstand unserer Forschung, und wie können wir sie anpassen, um einen Spitzenplatz einzunehmen? Tatsache ist, dass der jährliche Haushalt der ETH etwa 1,8 Milliarden Schweizer Franken beträgt, also circa 1,65 Milliarden Euro. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was beispielsweise Unternehmen wie Alphabet oder Amazon in Forschung und Entwurf investieren.

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