ARCH+ 168


Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 72-73

ARCH+ 168

Das Große und das Andere: Unser China

Von Vöckler, Kai

Die Rede ist nicht von dem heterogenen chinesischen Kulturraum, der Weltmetropolen und ärmere Dörfer, der unterschiedliche Ethnien und Sprachen umfaßt, sondern von ‘China’, dem Projektionsraum westlicher Wünsche und Ängste, der mythischen Heimat des Großen und des Anderen.

Die ewigen Werte der Baukultur

Nach wie vor wird davon ausgegangen, daß es eine bruchlose Kontinuität der chinesischen Kultur gebe, in der sich jahrtausendealte Werte finden lassen. Dies betrifft selbstverständlich auch die chinesische Baukultur. Werner Blaser nimmt dies zum Ausgangspunkt seines “inneren Dialogs über Bau-Kunst, über Denkart und Bauweise im Westen und ihr Gegenüber im Fernen Osten”, um dadurch die “grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten einer architektonischen Vernunft” zu finden. Ergebnis dieses Dialogs ist eine Publikation mit dem bezeichnenden Titel West is East is West, in der es um nichts Geringeres geht als den Meister der Moderne, Mies van der Rohe, als Schöpfer ewiger Werte zu interpretieren: “[...] die Architekturprinzipien Mies van der Rohes decken sich mit den jahrtausendealten Regeln Chinas und Japans”. Der viertausendjährigen Baukultur Chinas werden ewig gleiche und gegen Wandel widerstandsfähige Formprinzipien zugeschrieben, mit denen sich die moderne westliche Architektur tradieren läßt. Hat Mies das wirklich nötig? …

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!