ARCH+ 218


Erschienen in ARCH+ 218,
Seite(n) 36-37

ARCH+ 218

Zur Wiener Siedlerbewegung – aus den Texten von Klaus Novy

Von Novy, Klaus

"Um alle Eigentumsrechte unbekümmert” – schreibt Otto Bauer (Die österreichische Revolution, 1923) die herausragende Kraft des Austronmarxismus – “strömten die frierenden und hungernden Massen in das Wiener Umland. Die Arbeiter begannen den Boden rings um die Städte und Industrieorte urbar zu machen, auf ihm Gemüse zu bauen und Kleintiere zu züchten. Der Achtstundentag gab dieser Bewegung neuen Anstoß; Tausende benutzten die eroberten Mußestunden zur Arbeit im Schrebergarten. So wurde Wien allmählich von 60.000 Kleingärtnern umgürtet. Die Wohnungsnot drängte weiter: die Kleingärtner begannen, in ihren Gärten auch Wohnhütten zu bauen. Aus solchen vereinzelten Versuchen ging schließlich die Siedlerbewegung hervor ... Allmählich wuchs aus der Initiative der Massen selbst ein ganzes System gemeinnütziger Bautätigkeit hervor.” [...] Illegale Landaneignung, kleingärtnerische Selbstversorgung, das Bauen von Notquartieren, kurz: wildes Siedeln, ist eines, die Entstehung von großen, als Einheit konzipierten Genossenschaftssiedlungen als Keimzellen einer neufundierten Gesellschaft ist dagegen etwas ganz anderes. Daß letzteres aus ersterem hervorgeht, ist – wie jeder Blick in die Nachbarländer zeigt – keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil: es war eine Wiener Besonderheit.” ...

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