ARCH+ 218


Erschienen in ARCH+ 218,
Seite(n) 20-23

ARCH+ 218

Zukunftswerkstatt auf dem Dorf – Das Modell kommunitären Wohnens und Lebens der Gemeinschaft 'Schloss Tempelhof'

Von Kraft, Sabine

Nach mehr als 30 Jahren neoliberaler Ellbogengesellschaft, nach Ich-AGs und 'Geiz ist geil' schlägt das gesellschaftliche Pendel wieder in Richtung Gemeinschaftlichkeit aus. Die soziale Kälte, die aus der Ökonomisierung aller Lebensbereiche aufgestiegen ist, und die emotionale Verarmung, die sich in der Anpassung an diese Ökonomisierung ausgebreitet hat, haben Gemeinsamkeit wieder zu einem Wert per se werden lassen. In den letzten Jahren sind vermehrt kommunitäre Gruppen entstanden mit Lebensentwürfen, die sich vom gesellschaftlichen Mainstream absetzen, und einem recht unterschiedlichen Grad an praktizierter Gemeinsamkeit. Die 2010 gegründete Gemeinschaft Tempelhof ist eine solche Gruppe. Was sie auszeichnet, ist das Bewusstsein der Fragilität kommunitärer Gruppen und die Absicht, aus ihrem Scheitern zu lernen – an Beispielen dafür fehlt es ja nicht, angefangen bei Robert Owens "New Harmony" oder dem vergeblichen Versuch einer Verwirklichung von Charles Fouriers "Phalanstère" in Amerika bis zur Hippiebewegung und den diversen sozialreformerisch, ökologisch oder esoterisch motivierten Aussteigergruppen der 70er Jahre. Für die Gemeinschaft Tempelhof gab es im Vorfeld eine Gründungsgruppe, die ein Konzept, wie ein gemeinsames Leben aussehen könnte, entwickelt hat und sich nach einem geeigneten Gelände umsah, um es in die Praxis umzusetzen: "Zwanzig Menschen aus vielfältigen Gesellschafts- und Glaubensrichtungen haben drei Jahre lang intensiv an einer Vision vom gemeinsamen Leben gearbeitet und über eine ökologische, sozial gerechte und sinnerfüllte menschliche Daseinsform nachgedacht…"

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