ARCH+ 217


Erschienen in ARCH+ 217,
Seite(n) 66-75

ARCH+ 217

Ikonologie einer Hauptstadt

Von Klotz, Heinrich

Wären nicht die Villa Hammerschmidt und das Palais Schaumburg gewesen und hätte nicht die Pädagogische Akademie mit ihren schnittigen Linien der Zeit um 1930 einen modernen Parlamentssitz abgegeben, so wäre der Vorstellung der Bundesbürger über Jahrzehnte hin kaum ein visueller Anhalt geblieben, an den sich die Repräsentanz des deutschen Nachkriegsstaates hätte knüpfen lassen. Bonn als provisorische Hauptstadt der Republik hatte von Anfang an auf ein Darstellungsmittel verzichten wollen, das üblicherweise die sichtbaren Signale neu gegründeter Staaten setzt, auf die Architektur. Die beiden Parkvillen am Rhein, Haus des Bundespräsidenten und Haus des Kanzlers, gaben dem deutschen Provisorium ein Flair von Tradition, die es nicht hatte; und das weiße Quadergeschiebe der ehemaligen Lehrerakademie sicherte als Bundeshaus diesem Staate den Reflex von Modernität, den die Weimarer Republik bereits für sich beanspruchen konnte.

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