ARCH+ 211/212

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Erschienen in ARCH+ 211/212,
Seite(n) 186-187

ARCH+ 211/212

Die eingehegte Moderne

Von Scheper, Moritz

Ausgangspunkt für sein außergewöhnliches Stück experimenteller Literatur, das Essayistik und Prosa in eins setzt, ist der Film Noir. Spätestens mit They Drive by Night (1941; R: Raoul Walsh) ist dieser in der südkalifornischen Metropole zuhause und zeigt die Stadt ohne die sowieso dort nicht heimischen Palmen, ohne die sonnigen Strände, in ewiger Nacht und Dauerregen. Eine versumpfte, schwarze Stadt fernab jeglicher moralischer Schranken und uneingelöster Paradiesversprechen aus den Boosterprospekten. Kurz: eine realitätstreuere Antithese zu den Traumfabrikaten Hollywoods. Äußerst versiert in Kino-, Stadt und Architekturgeschichte interpretiert Vennemann die in diesen Filmen gezeigten Häuser als Allegorien auf ihre (fiktiven) Bewohner, aber auch auf ein Los Angeles, um das zu jener Zeit ein erbitterter Deutungskampf tobt, der genau entlang des Sunset Boulevards verläuft. An dessen einem Ende, in Pacific Palisades, baut die rechtskonservative Los Angeles Times ab 1927 ein Modellhaus für ihre neue Immobilienseite. Dieses Times Demonstration House ist jedoch nicht nur eine Marketingstrategie für die eng mit der Times verflochtene Miramar Sales Corporation, sondern die exklusive Mustervilla soll auch den Spanish Colonial Revival als autochthonen Baustil verkaufen.

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