ARCH+ 209

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Erschienen in ARCH+ 209,
Seite(n) 8

ARCH+ 209

Soziale Justierungen. Zum Tod des Architekten Ludwig Leo (1924-2012)

Von Harbusch, Gregor

Hans-Ludwig Leo wurde am 2. September 1924 als einziges Kind seiner Eltern in Rostock geboren. Nach dem Notabitur 1942 wurde er direkt eingezogen und verlor kurz vor Ende des Krieges an der Ostfront ein Bein. So trug er den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs zeitlebens körperlich mit sich. Von 1951 bis 1954 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Berlin Architektur. Hier traf er auf viele engagierte Studenten wie Daniel Gogel, Hardt-Waltherr Hämer, Georg Heinrichs, Heiner Moldenschardt, Hans C. Müller und Stefan Wewerka, die später die Architektur in West-Berlin entscheidend prägen sollten. Eine junge Generation entdeckt Leo heute vor der Folie des ernüchternden Konservatismus in der Berliner Architektur nach 1989 zunehmend neu und begreift seine Architektur als radikale und utopische Moderne, die aus dem Lokalen heraus wirkte und dennoch international Maßstäbe zu setzen vermochte. Radikalität und Utopie wären für Leo freilich keine Beschreibungskategorien seiner eigenen Arbeit gewesen, doch bleibt diese auf ihre Art weiterhin anschlussfähig – in ihrem Blick auf den Menschen als soziales Wesen im Raum, im unnachgiebigen Ausloten von Alternativen, in ihrem kritischen Weiterarbeiten an den Ideen der Moderne und nicht zuletzt in der Konsequenz der persönlichen Haltung. Am Morgen des 1. November ist Ludwig Leo im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben.

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