ARCH+ 208

Kostenloser Download


Erschienen in ARCH+ 208,
Seite(n) 14-15

ARCH+ 208

A Green Archipelago. Eine Ausstellung von Isa Melsheimer

Von Ngo, Anh-Linh

Ein besonderes Beispiel eines solchen Rettungsplans ist das viel bewunderte und immer wieder zitierte Konzept „Berlin, das grüne Stadtarchipel“, das Oswald Mathias Ungers, Rem Koolhaas und andere 1977 als Ergebnis der „Sommerakademie Berlin“ der Cornell University, an der Ungers damals lehrte, vorlegten. Die Studie schlägt ein unerhörtes Modell für die vom Kalten Krieg arg gebeutelte „Frontstadt des Westens“ vor: Um der schrumpfenden Einwohnerzahl und dem Verfall der städtischen Bausubstanz durch Leerstand und ausbleibende Investitionen zu begegnen, soll die isolierte Stadt gewissermaßen in einem Akt der Autopoiesis ihre Insellage zum Ordnungsprinzip erheben. Die durch Krieg und Teilung fragmentierte Stadt soll ihre stadträumliche Realität anerkennen und zuspitzen. Nur solche Teile sollen erhalten werden, die intakt und klar identifizierbar sind, während der Rest rückgebaut und als Grünbereiche ausgewiesen werden soll. Aus der diffusen Stadtstruktur werden deutlich erkennbare urbane Inseln herausoperiert, die aufgrund ihrer Geschichte, ihrer sozialen Struktur und ihrer räumlichen Qualität „Identitätsräume“ bilden und als Leitbild für die zukünftige Entwicklung dieser Einheiten geeignet scheinen. Jede Einheit bildet dabei eine „Stadt in der Stadt“. Die Stadt Berlin gibt es somit nicht mehr, sie besteht vielmehr aus einer „Föderation unterschiedlich strukturierter, bewusst antithetisch gestalteter Stadteinheiten“, die lediglich durch die Matrix der Grünzonen zusammengehalten bzw. getrennt werden.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!