ARCH+ 205

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Erschienen in ARCH+ 205,
Seite(n) 2-7

ARCH+ 205

Bau mir ein Haus aus den Knochen von Niklas Luhmann

Von Trüby, Stephan

Doch was passierte mit Raum, mit der Architektur in seinem System? Dass dies für Luhmann eine nachgeordnete Stellung einnahm, macht folgender Satz deutlich, den der Systemtheoretiker in einem 1991 geführten Gespräch mit dem Kunsthistoriker Hans Dieter Huber äußerte: „So gern ich in Brasilien bin und mich für die politischen Verhältnisse dort interessiere, aber Brasilien als Einheit interessiert mich nun wieder nicht. Oder nehmen Sie die Stadt Bielefeld, das ist kein System. Also alle räumlichen (...) Einheiten interessiere mich nicht so sehr.“  Wie kann der Architekturignorant und Raumverächter Luhmann für den Architekturdiskurs aktiviert werden? Drei Bücher – ein hochambitioniertes, ein semi-ambitioniertes und ein geradezu slacker-haft unambitioniertes – geben hierauf unterschiedlich gewichtige Antworten.

Patrik Schumachers The Autopoiesis of Architecture Der Anspruch von Patrik Schumachers Theoriewerk The Autopoiesis of Architecture, von dem derzeit nur der erste Band vorliegt, könnte kaum höher sein: Der Architekt präsentiert nicht nur eine Geschichte der Architektur und ihrer Theoretisierung seit der Antike, sondern legt auch ein Manifest des so genannten „Parametrizismus“ vor.

Michael Dürfelds Das Ornamentale und die architektonische Form Im Gegensatz zu Patrik Schumacher lässt Michael Dürfeld in seinem Buch Das Ornamentale und die architektonische Form die Frage nach der Existenz eines eigenständigen autopoietischen Architektursystems bewusst offen. Sein Anspruch im Umgang mit dem Theoriewerk Niklas Luhmanns ist etwas bescheidener: Er hakt an einem kleinen, aber entscheidenden Detail der Luhmann’schen Kunsttheorie – dem Ornament-Begriff – ein, um von dort aus weiter nach Konsequenzen für die Praxis und Theorie der Architektur zu fragen.

Lilli Nitsches Backsteingiebel und Systemtheorie Anders als Patrik Schumachers und Michael Dürfelds Bücher, kommt Lilli Nitsches schmales Bändchen Backsteingiebel und Systemtheorie ohne theoretischen Anspruch daher. Das Büchlein entstammt einem Verlag, der sich auf Regionalliteratur spezialisiert hat, und fällt – wenn überhaupt in eine Kategorie – in jene der „Heimatkunde“.

 

 

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