ARCH+ 203

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Erschienen in ARCH+ 203,
Seite(n) 48-53

ARCH+ 203

Die Großsiedlungen – Ein gescheitertes Erbe der Moderne?

Von Kraft, Sabine

1976 datierte Charles Jencks den Zeitpunkt des “Todes der modernen Architektur” präzise auf den Tag und die Stunde der Sprengung von Pruitt-Igoe; 1978 warf ARCH+ auf dem Cover von Heft 42 neben den Bildern eben dieser Sprengung die Frage auf: “Ist das Ende des Funktionalismus auch das Ende des Massenwohnungsbaus?”; 1979 prägte der Deutsche Städtetag den Begriff des "sozialen Brennpunkts" kurz nach bzw. noch während der Bauphase jener Großsiedlungen, zu deren Charakterisierung er dienen sollte, und die nun in den Kommunen die Furcht vor einem Filtering down-Prozess nach amerikanischem Modell und der Entstehung unkontrollierbarer sozialer Ghettos im staatlich geförderten sozialen Wohnungsbau aufkommen ließen.

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Die Arbeitslosenquote von Deutschland insgesamt und der Arbeitslosenanteil in den Siedlungen sind nur bedingt vergleichbar, da die Quote auf der Gesamtzahl aller Erwerbstätigen basiert, während der Anteil sich auf alle Bewohner zwischen 18 (bzw. 15) und 65 Jahren bezieht, d.h. der Anteil ergibt immer günstigere Werte als die Quote. Die bayrischen Siedlungen bilden im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit eine Ausnahme, sie liegen generell unter dem Bundesdurchschnitt.

Daten für Deutschland:

Hartz IV Empfänger: 8,0 %

Einwohner mit Migrationshintergrund: 19,6 %

Ausländeranteil: 8,9 %

Arbeitslosenquote: 7,0 %

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Daten 3/2011, Statistisches Bundesamt, Daten 2008/2009; Daten zu den Siedlungen: Statistische Ämter der Kommunen, in der Regel aus Erhebungen 2009. Zusammenstellung der Daten: Juliane Greb

 

Daten für ausgewählte westdeutsche Siedlungen:

Regensburg-KÖNIGSWIESEN, 1971 – 1978

Bauherr: Neue Heimat zusammen mit zwölf kleineren Baugesellschaften

2.650 WE, 4.560 Bewohner heute

Hartz IV-Empfänger: 14,4 %

Bewohner mit Migrationshintergrund: 40,0 %

Ausländeranteil: 14,2 %

Arbeitslosenanteil: 4,3 %

Hamburg-STEILSHOOP, 1969 – 1975

Bauherr: Stadt Hamburg

6.800 WE, 14.830 Bewohner heute

Hartz IV-Empfänger: 21,7 %

Bewohner mit Migrationshintergrund: 40,0 %

Ausländeranteil: 18,7 %

Arbeitslosenanteil: 9,6 %

Berlin-GROPIUSSTADT, 1962 – 1975

Hauptbauherr: GEHAG, DeGeWo

18.500 WE, 35.900 Bewohner heute

Hartz IV-Empfänger: 26,4 % 

Bewohner mit Migrationshintergrund: 39,8 %

Ausländeranteil: 15,3 %

Arbeitslosenanteil: 12,1 %

Berlin-MÄRKISCHES VIERTEL, 1963 – 1974

Bauherr: GEWOBAU

17.000 WE, 34.440 Bewohner heute

Hartz IV-Empfänger: 31,9 % 

Bewohner mit Migrationshintergrund: 34,7 %

Ausländeranteil: 13,1 %

Arbeitslosenanteil: 14,1 %

Köln-CHORWEILER, 1969 – 1977

Bauherr: Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH

13.000 WE, 24.290 Bewohner heute 

Hartz IV-Empfänger: 26,9 % 

Bewohner mit Migrationshintergrund: 68,2 %

Ausländeranteil: 33,7 %

Arbeitslosenanteil: 17,2 %

Wolfsburg-WESTHAGEN, 1971 – 1973

Bauherr: VW-SiedlungsGmbH

4.300 WE, 8.720 Bewohner heute 

Hartz IV-Empfänger: 22,0 %

Bewohner mit Migrationshintergrund: 42,4 %

Ausländeranteil: 13,0 %

Arbeitslosenanteil: 10,0 %

Kiel-METTENHOF, 1964 – 1975

Bauherr: Neue Heimat

7.400 WE, 18.850 Bewohner heute 

Hartz IV-Empfänger: 35,5 %

Bewohner mit Migrationshintergrund: 40,1 %

Ausländeranteil: 13,3 %

Arbeitslosenanteil: 15,3 %

München-NEUPERLACH, 1967 – 1991

Bauherr: Stadt München

22.700 WE, 41.710 Bewohner heute 

Hartz IV-Empfänger: 7,9 %

Bewohner mit Migrationshintergrund: 33,5 %

Ausländeranteil: 17,1 %

Arbeitslosenanteil: 6,4 %

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