ARCH+ 203

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Erschienen in ARCH+ 203,
Seite(n) 2

ARCH+ 203

“Bitte vielseitig bleiben” – ARCH+ Abonnentenbefragung

Von Kraft, Sabine

Solche Befragungen erfüllen zwei Funktionen: Erstens geht es darum, mögliche Werbekunden mit Informationen über die Leserschaft zu versorgen, die es ihnen attraktiv erscheinen lassen, in dieser Zeitschrift zu inserieren – wie man am fehlenden Anzeigenvolumen sehen kann, war ARCH+ bisher nicht sehr erfolgreich in diesem Geschäft –, und zweitens geht es um ein Feedback zwischen Heftemachern und Lesern. Letzteres befriedigt nicht nur die Neugier der Redaktion, das auch, aber es ist elementarer: Mit jeder Ausgabe beziehen die Heftemacher Stellung zu einem Thema – vor einem schweigenden Gegenüber, dessen Zustimmung oder Missfallen ihnen in der Regel verborgen bleiben. Das ändert sich zwar gerade mit den Möglichkeiten eines “Diskurses” im Netz, aber Facebook kann eine repräsentative Befragung nicht ersetzen.

 

Leseverhalten Bleiben wir noch etwas beim Lesen. Ca. 70 % der Abonnenten lesen länger als eine Stunde in einer ARCH+ Ausgabe – auf den ersten Blick sieht das nach nicht viel aus, berücksichtigt man jedoch, dass üblicherweise nicht Stunden, sondern 10 Minuten-Einheiten die Grundlage der Leserbefragungen bilden, ist es viel. Im Vergleich mit anderen Architekturzeitschriften steht ARCH+ geradezu glänzend da. Mehr als 30 % lesen länger als drei Stunden in einer Ausgabe. Das ist absolut einmalig. Dasselbe Bild ergibt sich im Hinblick auf Umfang und Häufigkeit der Heftnutzung. Ein Viertel der Leser liest ca. die Hälfte, ein weiteres Viertel immerhin Dreiviertel und noch 40 % so gut wie alles in einer Ausgabe. Auch das ist ungewöhnlich, und dies umso mehr, als jedes Heft entgegen dem allgemeinen Ausdünnungstrend sozusagen bis zum Rand “gefüllt” ist. Auch die Häufigkeit, mit der die Hefte herangezogen werden, 3-5 mal von ca. 21 % und häufiger noch, auch über einen längeren Zeitraum von 60 %, kann als ein kleiner Sieg über die schnellen Verfallszeiten betrachtet werden. Elektronik- und Printmedien Aus naheliegenden Gründen war für die Redaktion der Stellenwert interessant, den die Abonnenten den elektronischen Medien gegenüber den Printmedien einräumen. Mehr als die Hälfte bezeichnet das Verhältnis von beidem als ausgeglichen. Eine echte Überraschung war, dass für nur ca. 12 % die elektronischen Medien überwiegen, während es bei den Printmedien 36 % sind. Dazu passt, dass unter den 23.000 regelmäßigen Lesern des ARCH+ Newsletters vergleichsweise wenige ARCH+ Abonnenten sind. Nur ca. 34 % beziehen den Newsletter. Das ist ausgesprochen bedauerlich, da er ein ideales Medium wäre für kurzfristige Mitteilungen an die Abonnenten. Auch die ARCH+ Homepage, die pro Monat 300.000 Pageimpressions und 60.000 Einzelvisits verzeichnen kann, wird von Abonnenten nicht häufig besucht, 42 % schauen manchmal und fast 55 % nie vorbei. Allerdings wurde in den Einzelkommentaren mehrfach moniert, dass es die vergriffenen Hefte sowie einzelne Artikel nicht als PDF zum Download gäbe. Das ist mittlerweile der Fall. Also, einfach mal reinschauen!

Charakter der Zeitschrift ARCH+ hat sich in den letzten Jahren verstärkt zu einem Zwitter zwischen Buch und Zeitschrift entwickelt. Sollte es künftig mehr Buch oder wieder mehr Zeitschrift werden? Rund 39 % der Abonnenten würden eher den Zeitschriften- und 61 % eher den Buchcharakter verstärken. Das war wenig hilfreich und offensichtlich falsch gefragt. Aufschluss geben viele Einzelkommentare, die das EntwederOder nicht akzeptierten, “der Zwitter sollte ein Zwitter bleiben”. Dazu ist nur eines anzumerken: Es ist, wie leicht nachzuvollziehen ist, der arbeitsintensivste Weg. Mehr als 80 % der Abonnenten wünschen sich die Vertiefung eines zentralen Themas, aber für 52 % ist auch der Zeitungsteil und für 44 % der Baufokus sehr wichtig.

Thematische Interessen Die inhaltlichen Interessen der Abonnenten sind breit gefächert, aber es gibt eindeutige Prioritäten. Die Liste wird von den vier Themenbereichen “Wohnungsbau in Verbindung mit sozialen/politischen Themen” (79 %), “Entwurf/Fragen der Formfindung” (74 %), “Stadtentwicklung/Urbanismus” (73 %) sowie “Architekturtheorie” (72 %) angeführt. Danach erst und mit einigem Abstand folgen “Ökologie und Umweltfragen” (54 %), “(stadt-)baugeschichtliche Themen” (48 %), “Konstruktion/Bauweisen” sowie “Baustoffe/Materialentwicklung” (45 %), “Gebäudeperformance” (35 %), “Sanierung/Modernisierung” sowie “Innenausbau/Produktdesign” (32 %). Was offensichtlich kaum in ARCH+ gesucht wird, ist die Beschäftigung mit “Projektmangement/Bauabwicklung" (13 %). Diese Reihenfolge besagt allerdings nur bedingt etwas über den Erfolg einzelner Hefte, wie sich an derem Ranking zeigt.

 

Ranking der Hefte Auf die Frage nach den besten drei Heften ergab sich nach Anzahl aller Stimmen, die die Hefte an erster, zweiter und dritter Stelle auf sich vereinen konnten, folgende Reihenfolge: 196/197 Post-Oil City, 193 Holz, 194 Bruno Taut Architekturlehre. Nur geringfügig weniger Stimmen als die Tautausgabe bekamen 189 Entwurfsmuster, 176/177 Wohnen, 183 Situativer Urbanismus. Bemerkenswert ist auch, dass offensichtlich die Erinnerung an Hefte, die gut gefallen haben, recht nachhaltig ist. So wurden häufiger auch ältere Hefte wie 172 Material, 173 Shrinking Cities und 174 OMA an erster Stelle genannt, erhielten aber insgesamt nicht genügend Stimmen. Die neueren Hefte 200 Kritik und 201/202 Berlin sind hier noch nicht berücksichtigt. Als die drei Hefte, die am wenigsten gefallen haben, wurden 191/192 Schwellenatlas, 185 Indischer Inselurbanismus, 186/187 Kleine Zeitschriften genannt.

 

Lob “Arch+ ist vor allem lesenswert, weil es einen architekturtheoretischen Hintergrund hat. Ausgaben über Wohnen und städtebauliche Themen heben sich deutlich von den anderen Zeitschriften ab. Auch Themenhefte über 'Sao Paulo' sind wirklich toll zu lesen, weil man diesen Inhalt in keiner anderen Zeitschrift vorher gesehen hat und sich über jede Seite freut.” “ Heft 176/177 war eine außergewöhnliche Ausgabe, sehr gute Recherche, praxisnah und trotzdem aus einem fundierten theoretischen Background heraus. Mehr davon!” “Das jüngste Holz-Heft ist ganz große Klasse – eine wunderbare Mischung aus Historie und High-Tech. Und das Ungers-Heft!” “Die letzten beiden Ausgaben ‘Post-Oil City’ und ‘Haus der Zukunft’ verweisen wieder auf die Qualität und den Anspruch der Redaktion von ARCH+. Ein übergeordnetes Thema, das mit verschiedenen Beispielen und Theorien untermauert wird. So soll es sein.” “Für deutschsprachige Leser alternativlos.” “Ich hebe alle Hefte auf, da ich denke, dass sie noch in 10 oder 20 Jahren wertvoll sind.” “Ich bin froh, dass die Arch+ den ‘Buntebildchenprintmedien’ Inhalt und Ausführlichkeit entgegensetzt.” “Mir gefällt das Überraschende.” “Bitte diesen wahnsinnig starken Charakter behalten und die Kanten der Zeitschrift nicht abstumpfen lassen!” “Bitte vielseitig bleiben! Die Vielseitigkeit der Themen zeichnet Euch aus!” “Weiter so – auch beim Veranstalten von Ausstellungen, Vorträgen, Release-Partys ... Danke dafür!”

 

Kritik “Die intellektuelle Selbstverliebtheit ist manchmal nur schwer zu ertragen.” “Etwas reduzierteren Fremdworteinsatz halte ich für möglich.” “Die Sprache erscheint manchmal künstlich verwissenschaftlicht. Viele Sachverhalte ließen sich einfacher und klarer erklären. Dies erscheint mir fast als Seriositätskomplex der Autoren. Aber eine tolle Zeitschrift!” “Arch+ ist etwas zu text- und theorielastig, OMA und Ungers sind zu wichtig genommen.” “Bitte den architekturtheoretischen Teil wieder ein wenig stärken.” “Bitte mehr ans Bauen denken und weniger modische (substanzfreie) Zeitgeistphilosophen.” “Was ich mir auch noch wünschen würde, wäre ein bisschen mehr Kontroverse und Kritik.” “Weniger Theorie, mehr Analyse. Niemals Architekten schreiben lassen!” “Hefte sollten besser übers Jahr verteilt sein.” “Regelmäßig, periodisch und pünktlicheres Erscheinen!”

 

Nachtrag: Die Analyse der Leserstruktur lässt sich in den Mediadaten nachlesen und muss hier nicht extra aufgeführt werden – mit Ausnahme eines Kommentars: So befriedigend die Alterstruktur mit einem breiten Fundament junger Leute ist, so wenig ist es die Verteilung nach dem Geschlecht: 72 % der Abonnenten sind männlich und nur 28 % weiblich. 

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