ARCH+ 200


Erschienen in ARCH+ 200,
Seite(n) 116-117

ARCH+ 200

Genealogie der Kritik: Bruno Latour

Von ARCH+

Die Infragestellung der Legitimation von Kritik unterminiert die Selbstverständlichkeit, die die kritische Praxis bis dahin begleitete. Der französische Philosoph Bruno Latour spitzt diese Selbstkritik der Kritik weiter zu. Er behauptet, dass die Waffen der Kritik, also Begriffe wie „Diskurs“, „Macht“ und „Gesellschaft“, ihre Bedeutung verloren hätten und durch zunehmend infl ationären und populistischen Gebrauch verwässert seien. Zudem sei das, was bisher als Tatsache galt, durch die poststrukturalistische Kritik, die die sprachliche und soziale Konstruiertheit von erkenntnissen und Aussagen betont, entwertet. dies ändere aber nichts daran, dass die sozialen Realitäten trotz allem auf ihnen basieren (müssen). Die Kritik werde dadurch auf ein illusorisches oder destruktives Wirken reduziert, ohne länger konstruktive Kommentierung oder Orientierung liefern zu können. Eine Erneuerung der Kritik und ihrer Werkzeuge sei daher nötig.

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