ARCH+ 186/187


Erschienen in ARCH+ 186/187,
Seite(n) 118-123

ARCH+ 186/187

Exkurs Buchdruck: Die Entstehung des typografischen Architekten

Von Carpo, Mario

Laut einem Schema aus der Architekturgeschichtsschreibung des Positivismus korrespondiert jede Epoche der Architekturgeschichte mit einer bestimmten Bautechnik: Für die Architektur des antiken Griechenland ist dies die Technik von Pfeiler und Sturz, für die römische Architektur sind es Bogen und Gewölbe, für die mittelalterliche Architektur ist es der Steinschnitt und so weiter und so fort, bis man schließlich beim Stahlbeton landet. Heute ruft diese entwicklungsgeschichtliche – irgendwie teleologische – Interpretation einiges Stirnrunzeln hervor, möglicherweise nicht ganz zu Unrecht. Doch sie ist dennoch für jene häufig angeführte Theorie verantwortlich, der zufolge die Renaissance zu den wenigen großen Epochen in der Architekturgeschichte zählt, in denen sich ein neuer, mit keiner nennenswerten technischen Innovation verbundener Baustil herausbildete.  Dieser setzte sich zwischen dem Anfang des 15. und dem Ende des 16. Jahrhunderts fast überall in Europa durch – ohne eine damit einhergehende Veränderung in der Bauweise. Zwar wurde eine Reihe von mittelalterlichen Bautechniken tatsächlich aufgegeben, doch sie wurden weder ersetzt noch durch neue technische Entdeckungen überflüssig gemacht. Kein Ausrüstungsstück, kein Baumaterial scheint mit dem Aufkommen der all´antica-Architektur des Humanismus und der Renaissance verknüpft zu sein.

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