ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 122-125

ARCH+ 183

Elemental

Von Aravena, Alejandro

Die chilenische Regierung betreibt seit Jahrzehnten eine effiziente und anerkannte Wohnungsbaupolitik, die eine systematische Reduzierung des Wohnraumdefizits bewirkt hat. Mittels staatlicher Förderung und günstiger Darlehen wurden in den letzten zehn Jahren in Chile rund eine Million Wohnungen mit durchschnittlichen Kosten von US $ 2.000 pro Einheit gebaut, was ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden US $ entspricht. Trotz dieses riesigen finanziellen Aufwands gibt es auch Kritik an dem staatlichen Förderprogramm. Zum einen, weil es offenbar nicht gelungen ist, in dem Verfahren gezielt auf die ärmsten Schichten zuzugehen; zum anderen, weil die Qualität der gebauten Wohnungen sehr schlecht ist. Genau dieses Problem mit einer damit einhergehenden Verwahrlosung des Wohnumfelds hat zwei Konsequenzen: Finanziell hat die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Wohnumfeld einen negativen Einfluss auf die Kreditrückzahlungen und sozial wirkt sich die schlechte Qualität der Wohnungen unmittelbar auf Gesundheit und Bildung der Bewohner aus. Zudem lässt sich häufig eine Korrelation in der Unzufriedenheit mit der Wohnsituation und einer steigenden Kriminalitätsrate im Wohnumfeld feststellen.

Die Initiative ELEMENTAL erarbeitete eine Reihe von Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um staatlich geförderte Wohnbauten zu entwerfen, die im Verlauf der Zeit Mehrwert erzeugen und so zu einer guten Investition für Familien und Regierung werden können. Dies bedeutet eine enorme Herausforderung, zumal der Kreditrahmen nicht erweitert werden darf, um bei gleich bleibendem Budget die Zahl der geförderten Wohnungen nicht einzuschränken. Bei den Kreditnehmern handelt es sich meist um mittellose Familien, für die die staatlichen Wohnungszuschüsse die bei weitem wichtigste Hilfe ihres Lebens darstellen. Wenn der Entwurf zu einer Wertsteigerung der Immobilien führte, könnte dies nicht nur ein wirksamer Weg sein, um Kreditrückzahlungen zu garantieren, sondern auch ein Meilenstein in dem Versuch, eine Generation aus ihrer Armut zu befreien.

Eine der wichtigsten Aufgaben war es, bei gleich bleibendem Finanzrahmen die Wohnfläche pro Familie zu vergrößern. Diese Forderung kann nicht sofort erfüllt werden, da Einsparpotenziale ausgeschöpft sind. Die Lösung liegt daher in der zeitlichen Dimension des Konzepts: Die zu entwickelnde Struktur muss offen für zukünftige Erweiterungen sein, ohne dabei in ein ungeplantes Chaos zu münden. Am Beispiel bestehender, ungeplanter Behausungen konnte gezeigt werden, dass eine monolithische Gebäudestruktur selbständige Umbaumaßnahmen durch die Bewohner erschwert, während ebenerdige Resträume horizontal und höher gelegene in die Vertikale erweitert werden. Die Schlussfolgerung daraus war, pro Grundstück ein Haus vorzusehen, das sowohl ebenerdig als auch im Obergeschoss Freiräume für Erweiterungen besitzt. Dadurch haben die Bewohner nachträglich die Option, ihren Wohnraum in Eigeninitiative nahezu zu verdoppeln. Allerdings sind bisher alle Versuche fehlgeschlagen, solche informellen Strukturen im Vorfeld durchzuplanen. Als Konsequenz sieht das Konzept so genannte „parallele Gebäude“ vor, die den zukünftigen Erweiterungen einen Rahmen geben. Im Grunde handelt es sich dabei um bewohnbare Rohbauten, die zusätzliche, improvisierte Räume innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens anbieten, deren Größe durch die Maße eines regulären Wohnraums definiert ist.

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