ARCH+ 183

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Erschienen in ARCH+ 183,
Seite(n) 30-31

ARCH+ 183

Lucius Burckhardts Promenadologie

Von Holzapfel, Helmut /  Schmitz, Martin

Die einzelnen Stationen werden in der Wahrnehmung des Betrachters wie Perlen auf eine Kette gereiht und zu einer Kontinuität zusammengefügt. Das Erkenntnisinteresse bei den Spaziergängen besteht darin, die absichtlichen und die unabsichtlichen Effekte der Stadtgestaltung auszuloten und auf die Gefühle und das Verhalten der Nutzer hin zu befragen. Bereits in den 1960er Jahren stellten die umherstreifenden Situationisten eine Verbindung von Psychologie und Geographie her, die sich bei Burckhardt zu einer konkreten Utopie von Stadtgebrauch weiterentwickelte

Der Windschtzscheibenspaziergang

Als „kulturpolitische Versammlung in Bewegung“ angemeldet und von der Polizei begleitet, marschiert eine Gruppe Fußgänger beim „Windschutzscheibenspaziergang“ durch Kassel. In einer Art Rollenspiel benutzt die Gruppe eine größere Verkehrsstraße als „Pseudo-Autofahrer“. Pseudo-Autofahrer insofern, als die Studenten als Fußgänger auf der Fahrbahn autoähnliche Windschutzscheiben vor sich hertragen. Damit wird einerseits die Situation des Autofahrers imitiert, anderseits sind die Studierenden in der Lage, den eingeschränkten Blickwinkel durch die Scheibe zu verlassen. Geräusche und Belästigungen, von denen man im Auto abgeschirmt ist, nehmen sie unmittelbar wahr. Es wird auch deutlich, welche Aspekte der visuellen Wahrnehmung die Windschutzscheibe determiniert. Von außen wird die Aktion jedoch als störend wahrgenommen. Die Gruppe bricht als Unruhestifter in die Abläufe der anderen, gewohnheitsmäßigen Stadtnutzer ein.

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