ARCH+ 175


Erschienen in ARCH+ 175,
Seite(n) 34-57

ARCH+ 175

Prada Epicenter LA

Von OMA /  AMO /  Koolhaas, Rem

Nichts läßt dann auf den ersten Blick erkennen, daß es sich um die Niederlassung einer der größten italienischen Modemarken handelt. Die minimalistische, generische Box vermeidet jegliche architektonische Bezüge auf traditionelle Geschäftstypologien: Kein Schaufenster weist auf die Waren hin, kein Schild markiert das Territorium der Marke. Nur wer sich dem Eingang nähert, erhascht fast surreale Einblicke in das Innenleben des Geschäfts: Im Boden sind elliptische Bullaugen eingelassen, in denen irritierend menschliche Puppen scheinbar schwerelos schweben. In teure Pradakostüme gewandet, liegen sie den Besuchern gleichsam zu Füßen. In der Stadt, die makellose Schönheit, Fiktion und Künstlichkeit als das Wahre verkauft, sind normale Schaufensterpuppen selbstverständlich nicht echt genug: Die irritierende Menschlichkeit der Figuren ist der Tatsache geschuldet, daß es sich um Realdolls, täuschend echte Sexpuppen aus Silikon, handelt. Man hat den Eindruck, daß die Figuren direkt den höhlenartigen Vertiefungen und Gängen entstiegen sind, die kontrollierte Einblicke in die Unterwelt des Gebäudes freigeben. Diese räumliche Erfindung entfaltet eine Sogwirkung, die über ein normales Schaufester hinausgeht. Ein weiterer Nebeneffekt besteht darin, daß die schmale Front über die gesamte Breite geöffnet werden kann, ohne daß Platz für die Eingangs- und Schaufensteranlage verschwendet wird...

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