ARCH+ 175


Erschienen in ARCH+ 175,
Seite(n) 18-27

ARCH+ 175

Das Bild Europas

Von AMO /  Koolhaas, Rem /  Graaf, Reinier de

Im Laufe von 3000 Jahren hat uns Europa zugleich Demokratie und Faschismus gebracht. Kein Wunder, daß es in den letzten 50 Jahren versucht hat, sich neu zu erfinden. Statt die eigene komplexe Geschichte als Alibi zu benutzen, noch mehr Aufruhr und Tragödie zu entschuldigen, entschied sich Europa dafür, die Geschichte umzukehren. Nach dem Zweiten Weltkrieg schufen visionäre Politiker in einer Folge von höchst improvisierten Schritten und Vereinbarungen eine neue Struktur, die neue Verhaltensregeln für den gesamten Kontinent festlegten. Da das Vorhaben so radikal war, konnte es nur unter Tarnung vorangebracht werden; in den Frühphasen des Bestehens der Europäischen Union konnten ihre eigentlichen Motive nie offen ausgesprochen werden. Aufgrund der Komplexität der Unternehmung waren die Abkommen und Entwürfe, die das neue Europa definierten, schwer zu kommunizieren. Für den durchschnittlichen Europäer ist die EU heute ein Paralleluniversum, das – unerklärlich und unerklärt – neben der realen, uns bekannten Welt existiert...

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