ARCH+ 85

Download-Preis: 0,90 € In den Warenkorb


Erschienen in ARCH+ 85,
Seite(n) 50-52

ARCH+ 85

Typologie und juristisches Denken

Von Scarpa, Ludovica

Man stelle sich eine ganz normale Wohnung vor. Wahrscheinlich haben Sie jetzt nicht an die Wohnung ihrer/s Freundes/in, Schwester oder irgendeines anderen gedacht, sondern an eine geordnete, leere, grundrißartige Räumlichkeit mit Küche, Bad, Flur, Balkon. Eine „normale" Wohnung: Das ist die Macht der Typologie. Typologie als Bestandteil der architektonischen Disziplin, als Bedingung des Entwurfs, scheint von Architekten erfunden worden zu sein, um die Willkürlichkeit ihrer Entscheidungen zu verdecken und sie mit einer vermeintlichen Naturgegebenheit, einer in der „Natürlichkeit" der sozialen Entwicklung, der gegebenen lokalen Eigenheiten verwurzelten Existenz des Typus zu bemänteln, auf den man seinen Entwurf beziehen kann. Typologie ist deswegen ein verdächtiger Begriff. Verläßlicher ist demgegenüber jene analytische Typologie, die sich mit dem Studium historischer Objekte befaßt. Von hier aus ist in letzter Zeit der Versuch einer Verwissenschaftlichung der Architektur ausgegangen. Ich beschäftige mich hier mit einer dritten Ebene der Typologie, wo sie nicht durch Architekten unmittelbar erdacht, gesucht und deswegen gefunden wird (Caniggia, Trincanato), sondern wo sie von den Bedingungen, die vor jedem Projekt schon da sind, vorgegeben wird. Die Rahmenbedingungen jeder modernen Planung bilden Technik, Ökonomie und Baurecht, so wie früher Tradition und handwerkliche Kultur...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!