ARCH+ 85

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Erschienen in ARCH+ 85,
Seite(n) 47-48

ARCH+ 85

Typologie als Abstammungslehre

Von Geist, Jonas /  Scarpa, Ludovica

ARCH+: Wir machen ein Interview für ARCH+.

Jonas Geist: Für diese opportunistische ARCH"1"?

ARCH+: Ja, genau die.

Jonas Geist: Von einem modischen Thema zum anderen hastend.

ARCH+: Jonas, wenn man Deine Bücher in die Hände kriegt...

Jonas Geist: Unsere Bücher...

ARCH+: Eure Bücher... Aber ich meine jetzt das Passagenwerk. Dort kann man einen kontinuierlichen Faden ausmachen: die typologische Forschung, die Du für die Baugeschichte entwickelt hast. Wie kommt es, daß über die Jahre hinaus das Thema eine so bleibende Bedeutung gehabt hat? Ist es vielleicht eine Art, überhaupt die Welt zu sehen?

Jonas Geist: Die zwei Komponenten der Menschwerdung desjenigen, der angeblich vom Affen abstammen soll, sind Jäger und Sammler. Und Du jagst nun vielleicht nicht mehr, weil Du Dich nicht mehr traust; Du sammelst auch nicht mehr, weil Du es nicht mehr nötig hast. Aber der Jäger und Sammler als Kultureinrichtung, der bleibt. So ist es auch im wesentlichen bei mir. Das Sammeln von Dingen und das Jagen nach Dingen, die einen interessieren könnten, ist eine bestimmte Komponente meiner Arbeit, die sehr wohl in der Jugend verankert ist, in meiner frühen Kindheit. Ich bin in einem Hause aufgewachsen, wo gesammelt worden ist, in den 20er, 30er und 40er Jahren im wesentlichen: das sind Bilderbögen gewesen, Spielzeug, Kinderbücher. Mein Vater hat als Zeichenlehrer alles, was er mit seinen Kindern in der Schule gemacht hat, aufgehoben, systematisiert und Klassenergebnisse gesammelt. Meine Mutter als Buchbindermeister hat das archiviert, Kästen dafür gemacht, die Deckel, die Beschriftung. Die Zusammenarbeit meiner Eltern mit kulturhistorischen, kunstgeschichtlichen und volkskundlichen Sammelschwerpunkten war eine meiner frühen Kindheitserinnerungen...

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