ARCH+ 159/160

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Erschienen in ARCH+ 159/160,
Seite(n) 20

ARCH+ 159/160

Editorial: Formfindungen

Von Kraft, Sabine /  Taraz-Breinholt, Schirin

Das ist schwer zu sagen; es muß irgendwo auf dem Weg von den idealen geometrischen Formen der Postmoderne zur dekonstruktivistischen Formenexplosion passiert sein. Form wird heute jedenfalls nicht mehr aus dem Fundus schöner Formen geschöpft und einem Objekt verliehen, sondern Form wird erfunden, erzeugt, im Computer generiert, evolviert, transformiert. Das Entwerfen als emergenter Prozeß, eine Black box der Kreativität? Diese Antwort ist so wohlfeil wie sie unbefriedigend bleibt. Sie erklärt nicht, wie die Form in den Kopf hinein- oder aus dem Computer herauskommt. Das vorliegende Heft zeichnet einige Wege der Formfindung beispielhaft nach. Anlaß für das Thema war die aktuelle Diskussion um den zum "Biomorphismus" gemauserten Blob. Wenn es sich dabei nur um eines der zyklisch auftretenden Revivals organizistischen Formenvokabulars in Architektur und Design handeln würde, könnte man über die Befindlichkeit des Zeitgeistes nachdenken und – vielleicht mit einem Schulterzucken – wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch das greift zu kurz. Die Naturreferenz des Biomorphismus ist eine doppelte: So werden die amorphen verschliffenen Formen nicht nur als die dem neueren naturwissenschaftlichen Verständnis entsprechenden Metaphern interpretiert, sondern die Art und Weise, wie sie entstehen, der Prozeß der Formgenerierung, wird selbst in Analogie zu Naturprozessen gesetzt, die Formen hervorbringen wie Evolution oder Selbstorganisation. Damit ist Formfindung bzw. Morphogenese das zentrale Thema. ...

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