ARCH+ 93

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Erschienen in ARCH+ 93,
Seite(n) 62-65

ARCH+ 93

Kontrollierte Umwelt

Von Banham, Reyner

Wie die Entwicklung der Vorstellungen Le Corbusiers zeigt, wäre es für ihn 1930 fast zwingend gewesen, Air-Conditioning zu erfinden, wenn es sie nicht schon längst gegeben hätte. Was die Situation noch verzwickter macht, ist die Tatsache, daß die Entwicklung der Klimatechnik zu jener Zeit selbst an einem Punkt angekommen war. wo ihre weitere Entwicklung ein engeres Eingehen auf die Architekten geradezu verlangte. Denn die Entwicklung der Air- Condition ist fast ein klassisches Beispiel für eine Technologie, die zuerst in der Industrie bei größeren Einheiten Anwendung fand, um dort die groben gesundheitsschädlichen Luftverhältnisse zu verändern; um dann bis zu dem Punkt weiterentwickelt zu werden, daß sie differenziert und spezialisiert genug häuslichen Ansprüchen genügen konnte. Die Geschichte der Air-Conditioning handelt wieder einmal von dergenialen Anwendung dergerade zur Verfügungstehenden wissenschaftlichen Kenntnisse, oder auch der altehrwürdigen „Pi x Daumen-Regel" und zwar Stück für Stück. Aber, obwohl auch die Geschichte der Air-Conditioning in Zügen der Geschichte des elektrischen Lichts ähnelt, so wurde sie doch nicht durch einen konzentrierten Ausbruch einer Systeminnovation dramatisiert, so wie es Edison 1880 gelang, auch wurde sie nicht durch eine Person vom Rang eines Edison geschmückt. Willis Havilland Carrier kann so gut wie Edison für sich beanspruchen, als Stammvater seiner Kunst zu gelten, aber in den meisten Biographien erscheint er immer noch als ein Mann von beschränkter Kapazität, der anhand von ad hoc-Problemen praktisch wurde. In einer eher abwertenden Darstellung könnte man auch sagen, daß er ein Problem solange nicht erkannte, bis ihm jemand Geld anbot, um es zu lösen…

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