ARCH+ 163

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Erschienen in ARCH+ 163,
Seite(n) 16-19

ARCH+ 163

Editorial: Vogel-Strauß-Politik

Von Kraft, Sabine /  Ngo, Anh-Linh /  Taraz-Breinholt, Schirin

Betrachtet man den Fächerkanon, zu dem Umberto Ecos Baudolino in Paris Vorlesungen hörte, Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, so handelt es sich offensichtlich um die Vermittlung eines Wissens, das man heute als Allgemeinbildung, d.h. die breite Informiertheit über den Wissensstand einer Zeit, bezeichnen würde, nur daß dieser Begriff in der Mitte des 12. Jahrhunderts nichts zu suchen hat. Er macht aber plausibel, warum der Baccalaureus nicht nur die erste akademische Würde war, die man erwerben konnte, sondern im europäischen Sprachraum später auch zur Bezeichnung für den Absolventen der höheren Lehranstalten wurde, die sich der Allgemeinbildung als Vorbereitung auf ein universitäres Studium widmeten. Den Titel des Magisters, in jenen frühen Tagen der Universität mit hohem Ansehen verbunden, erwarb man sich durch das weitere Studium eines eher ‘fachspezifischen` Wissens, dessen Nutzanwendung im wesentlichen in der Weitergabe an Studenten bestand, worüber Goethe seinen Faust sich bitter beklagen läßt. Man studierte die Artes liberales, Philosophie oder Theologie, Astronomie, Jurisprudenz und Medizin. Architektur studierte man nicht. Architektur bzw. das Bauen erlernte man als praktische Tätigkeit in den Bauhütten, einer Handwerkerorganisation, die ihre technischen Geheimnisse hütete und als Kollektiv für die Bauwerke zeichnete. Die Lehrzeit in einer Bauhütte dauerte fünf bis sieben Jahre. Die an den Universitäten (und in den Tavernen) erworbenen Fähigkeiten, einen Disput zu führen und logisch zu folgern, wären dort eher fehl am Platz gewesen. …

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